Nachruf: Der kühne Traum von versöhnender Technologie

Die deutsche IT-Branche verliert einen Unternehmer, für den Technologie weit mehr war als ein Mittel zum Zweck. Bytec-Gründer Matthias Bodry hatte eine ungewöhnliche Vision. Was von einem gestaltenden Ingenieursgeist bleibt.

Matthias Bodry ist am 22. Februar in Friedrichshafen gestorben. Er wurde 58 Jahren alt und hinterlässt vier erwachsene Kinder.
(Foto: CRN)

Er habe alles gut vorbereitet und könne sich auf bestens bewährte Führungskräfte verlassen. Seine Firma sei auch ohne ihn für die Zukunft sehr gut aufgestellt, sagte Matthias Bodry Anfang 2015 in einem längeren Gespräch mit CRN. Es war das Jubiläumsjahr der Bytec aus Friedrichshafen, »seines Unternehmens«, das Bodry in 25 Jahren zum größten europäischen Distributor des globalen Herstellers Fujitsu machte. Was damals freilich kaum jemand außer dem an Krebs erkrankten Bodry wusste: Viel Zeit würde ihm nicht gegeben werden, Bytec in andere Hände zu legen.

Dennoch spürte man die tiefe Befriedigung eines Unternehmers, der stolz war auf das, was er geleistet hatte: Arbeitsplätze schaffen, beste Technologielösungen entwickeln, die Zukunft der Firma und Familie sichern. Im Getränkehandel des Großvaters lerne er früh, dass sich harte Arbeit auszahlt. Bodry wusste aber auch, wie flüchtig ökonomischer Erfolg sein kann, wenn man sich auf Leistungen ausruht, die andere geschaffen hatten.

War es Demut angesichts der Brüchigkeit des Lebens, angesichts unerfüllter Lebensentwürfe im Privaten wie im Beruflichen, die einen Menschen nicht auf die Bühnen des Business‘ treibt - stets siegerpostenhaft lachend? Das mediale Scheinwerferlicht suchte er zeitlebens nicht. Man fühlte die Anspannung in seinen Händen, wenn er wieder einmal eine Auszeichnung vor großem Publikum entgegen nehmen musste.

Und doch überwand er stets solche kleinen Barrieren. So wie er auch große Hürden professionell meisterte. Loslassen lernen von »seiner Bytec« war eine seiner letzten, wohl schwierigen Aufgabe. Er hat auch diese rechtzeitig gelöst.