Hacker-Angriff unwahrscheinlich: Weitreichender Amazon AWS-Ausfall

Wegen massiven Problemen bei Amazons S3-Speicherdienst sind vergangene Nacht Tausende Webseiten und Dienste für mehrere Stunden ausgefallen. Vermutungen, es habe sich um einen Hackerangriff gehandelt, erscheinen eher unwahrscheinlich.

Rund vier Stunden lang ging bei vielen Webseiten und Onlinediensten nichts mehr
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Durch einen schwerwiegenden Ausfall von Amazons AWS S3 Cloudpeicher-Angebot waren vergangene Nacht weltweit Tausende an die Plattform und andere AWS-Services angebundene Onlinedienste für bis zu vier Stunden nicht oder nur sehr eingeschränkt erreichbar. Das führte dazu, dass Webseiten und Dienste wie Adobes Creative Cloud, Citrix, Expedia, Apples iCloud, Jstor, Razer und zahlreiche Onlineshops weitgehend oder komplett offline waren. Hinzu kamen erhebliche Probleme bei Googles Nest-Thermostaten und anderen smarten IoT-Geräten wie Glühbirnen mit IFTTT-Verbindung sowie Amazons eigenen Diensten für Alexa, Fire-TV und die Streaming-Angebote des Unternehmens. Pikanter Weise waren von dem Fehler auch die auf AWS gehostete Webseite Isitdownrightnow.com und das Service Health Dashboard von Amazon selbst betroffen, die über den aktuellen Status der AWS-Dienste Auskunft geben.

Amazon hat in einer ersten Erklärung lediglich bestätigt, dass es in dem Rechenzentrum »US-East-1« in North Virginia »erhöhte Fehlerraten« gegeben habe, nennt aber keine Ursache dafür. »Wir verzeichnen noch immer hohe Fehlerraten bei S3 im Rechenzentrum US-East-1, die sich auf zahlreiche AWS-Dienste auswirken. Wir arbeiten hart daran S3 zu reparieren und glauben, dass wir die Ursache identifiziert haben. Jetzt sind wir dabei Lösungen zu implementieren, welche das Problem beheben sollen«, so Amazons Auskunft in der Nacht. Mehrere amerikanische Medien hatten daraufhin spekuliert, dass es sich um einen Hackerangriff gehandelt habe. Das ist allerdings recht unwahrscheinlich, nachdem der DDoS-Schutz Cloudflare nicht aktiviert worden war und die Fehlersuche immer wieder auf ein Problem beim Host selbst hindeutete.

Dennoch zeigt der Ausfall deutlich, welche Gefahren Cloud-Diensten und dem IoT trotz aller Beteuerungen einer fast hundertprozentigen Verfügbarkeit bei einem weitreichenden Ausfall drohen – selbst wenn dieser nur eines von zahlreichen Rechenzentren des Anbieters betrifft. In diesem Fall hat es einen wichtigen Dienst in einem der größten Amazon-Rechenzentren getroffen, das vor allem viele international tätige amerikanische Onlinedienste versorgt. Durch die Abhängigkeiten vieler anderer AWS-Dienste vom eigenen S3-Angebot potenzierte sich das Problem schnell.