Ursachen für den Fachkräftemangel: Darum sinkt das Technik-Interesse bei Mädchen

Während junge Mädchen oft noch ein ähnlich hohes Technik-Interesse haben wie ihre männlichen Altersgenossen, nimmt die Begeisterung für solche Themen mit zunehmendem Alter rapide ab. Neben fehlenden Vorbildern sind dafür auch alte Rollenbilder verantwortlich.

Junge Mädchen haben ein großes Interesse an MINT-Fächern, das allerdings ab 16 Jahren stark nachlässt
(Foto: Microsoft)

Dass Frauen in IT- und Technikberufen noch immer eine kleine Minderheit sind, liegt deutlich stärker an ungleichen Chancen und schwacher Förderung als bislang angenommen. Das zeigen deutlich die ersten Ergebnisse der jetzt von KRC Research für Microsoft erstellten Studie »The When & Why of STEM Gender Gap«. In zwölf europäischen Ländern gingen die Forscher darin vor allem den Fragen nach, wann und warum Mädchen das Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, den sogenannten MINT-Fächern verlieren. Die dazugehörige qualitative und quantitative Evaluation führt letztendlich auch zu den Gründen, warum trotz aller Förderungsversuche noch immer so wenige Frauen eine technische Karriere anstreben. Denn nach dem aktuellem »MINT-Report« des Instituts der Deutschen Wirtschaft fehlen bundesweit rund 212.000 Arbeitskräfte in diesem Bereich. Somit sind die Chancen auf sichere Arbeitsplätze und gleichberechtigte Bedingungen für Frauen gerade im technischen Umfeld besonders hoch.

Der alten Theorie von einer grundsätzlichen Interessensungleichheit zwischen Jungen und Mädchen erteilt die Studie dabei direkt eine klare Absage. Vielmehr sei festzustellen, dass das Interesse an MINT-Fächern in jungen Jahren sogar nahezu gleich ist. Am größten ist das Interesse für die MINT-Disziplinen bei Mädchen im Alter zwischen elf und 16 Jahren. In diesem Alter können sich noch rund 40 Prozent von ihnen vorstellen, Karriere in einer MINT-Disziplin zu machen. Besonders reizt Mädchen in diesem Alter der kreative Aspekt der Fächer, wie die Möglichkeit, Dinge selber zu entdecken und zu erforschen. Als typische Beispiele werden hier etwa die Chancen genannt, bei der Lösung konkreter Probleme der Menschheit wie in der Krebsforschung oder dem Klimawandel mitzuhelfen. Hierbei schreiben die Mädchen im Alter bis zu 16 Jahren den MINT-Fächern eine grundlegende Bedeutung zu.

Dennoch sinkt das das Engagement in diesen Schwerpunkten mit zunehmendem Alter rapide ab und kehrt meist auch nicht wieder zurück. Das ist nicht nur im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die geringe weibliche Präsenz im direkten Umfeld der Technik eine äußerst unbefriedigende Entwicklung. Denn laut Einschätzung der EU-Kommission werden die Fähigkeiten aus dem MINT-Bereich künftig in rund 90 Prozent aller Berufe erforderlich sein. Damit drohen viele Frauen durch diese Entwicklung abgehängt zu werden. »Die digitale Transformation der Wirtschaft ist ein entscheidender Faktor im internationalen Wettbewerb. Dementsprechend ändern sich die Anforderungen an Fachkräfte – digitale Kompetenz wird zur beruflichen Schlüsselqualifikation«, bestätigt Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland und fordert Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Industrie zum gemeinsamen Handeln auf: »Wir können es uns nicht leisten, auf das Potenzial weiblicher Talente zu verzichten. Wir müssen sie zielgerichtet fördern und für MINT-Themen begeistern.«

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Stefanie S. , 09:49 Uhr

Ich kann das Jammern in diesem Bereich wirklich nicht mehr hören! Keine Ahnung, wer parmanent sagt, es bestehe ein Mangel an MINTlerinnen.

Als Handlanger auf unterster Ebene, da sind wir MINTlerinnen gefragt.

Ich hab es selbst in bekannten Konzernen erlebt. Es gibt dort Vorzeige-Frauen, teilweise als Quereinsteiger aufgestiegen.

Den Hass, den diese Kinderlose Frauen herüberbringen, gerade auf Frauen mit Kindern, ist so deprimierend, dass ,man die Lust an MINT verliert.

Ich las es im Buch von

Das Geschlechter-Paradox: Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen, dass Frauen letztendlich wegen anderen Frauen aus den MINT-Berufen aussteigen.

Dann kommt dazu: Männern Anfang 30, studiert oder nur mit einer Lehre wird mehr zugetraut als uns Frauen studiert.

Wenn es um Führungspositionen geht, dann wird den Männern automatisch der Vorzug gegeben. als Frau erfährt man gar nichts davon, wenn Stellen selbst Team-intern umzubesetzen sind!

Das heißt, in der Auswahl geht das so:

1. Rank - Mann studiert

2. Rank - Mann un-studiert

3. Rank - Frau

D.h. Der Vorgesetzte darf sich seine Untergebenen Führungskräfte bzw. Stellvertreter mehr oder weniger selbst auswählen. Da spricht auch keine Personalabteilung wirklich mit. Da gibt es keine Vorgaben, die dann überprüft werden. Zudem gibt es in der Informatik auch keinen Unterschied, ob studiert oder nicht, jeder kann die selben Aufgaben (angeblich) erfüllen! D.h., wenn für die Führungsposition die Ausbildung egal ist, kann man unter viel mehr Männern wählen.

Es gibt die Möglichkeit die Ordnung zu durchbrechen, in dem man unendlich lange in der Firma verweilt.

Die Frauen in Führungspositionen, die ich kenne, sind fast alle Kinderlos, kommen um 7 in der früh und gehen nach 7.

Mit Kindern nicht schaffbar!

Diesen Hass spüren die Töchter. Sie haben keine Lust auf MINT, zu viele Tränen ihrer Mütter haben sie gesehen. (Für meine Tochter kann ich das sagen.)