CRN-Interview gebrauchte Software: Steigende Nachfrage im Business-Markt

Michael Helms, Geschäftsführer des Gebrauchtsoftwarehändlers Soft & Cloud, stellt bei Unternehmenskunden ein stetig wachsendes Interesse an gebrauchter Software fest. Auch für die Zukunft rechnet er mit enormen Wachstumschancen.

(Foto: Soft & Cloud AG)

CRN: Herr Helms, welche Entwicklungen treiben den Markt für gebrauchte Software aktuell und wie profitiert Ihr Unternehmen davon?

Michael Helms: Der Markt für gebrauchte Software hat sich im Jahr 2016 positiv entwickelt und war dabei durch einige Besonderheiten geprägt. Erstens konzentriert sich der Markt immer stärker auf Volumenlizenzen von Microsoft. Mit deren Lizenzen wird ca. 97 Prozent des gesamten Marktvolumens von Gebrauchtsoftware abgewickelt. Das Thema ist jetzt im 5. Jahr nach dem EuGH-Urteil etabliert und die IT-Abteilungen sehen sich jetzt stärker gedrängt, differenzierter mit dem Thema umzugehen.
Der Gesamtmarkt der Gebrauchtsoftware ist in Deutschland um ca. 20 Prozent gewachsen. Erstaunlich bleibt nur das Verhältnis zum Marktpotenzial. Microsoft setzt im Markt der gewerblichen Volumenlizenzen ca. 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr weltweit um. Im Verhältnis sind die geschätzten 30 bis 60 Millionen Dollar Umsatz im Bereich der Gebrauchtsoftware verschwindend gering. Nämlich in Zahlen unter 0,1 Prozent. Dessen muss man sich immer wieder bewusst werden, wenn über die rechtlichen Probleme und die so oft zitierte Marktmacht von Microsoft philosophiert wird.
Die Soft & Cloud AG ist im Umsatz in Ihrem dritten Geschäftsjahr um 41 Prozent auf nunmehr acht Millionen Euro gewachsen.

CRN: Drohen angesichts der zunehmenden Verbreitung von Mietmodellen Grenzen des Wachstums, oder wird das Absatz-Potenzial dadurch sogar vergrößert?

Helms: Der Erschöpfungsgrundsatz, der den Weiterverkauf gebrauchter Softwarelizenzen ermöglicht, beinhaltet ausdrücklich keine Vermietung (§ 17 Abs. 2 UrhG „mit Ausnahme der Vermietung“). Deshalb sind solche Miet-Lizenzen natürlich dem Gebrauchtmarkt entzogen. Für den Vermieter ist die Haftung allerdings auch immer höher als beim Verkauf, so dass Mietlizenzen meist auch wesentlich teurer sind.
Eine weitere Frage ist, wie weit sich das Cloud-Modell auf die gesamte Wirtschaft ausbreiten lässt. Kosten und Datensicherheit halten viele Branchen noch grundsätzlich davon ab. Diese können wir natürlich gut mit ehemaligen Kauflizenzen bedienen. Andererseits kaufen wir von Konzernen, die in die Cloud gehen, große Pakete an aktuellen Lizenzen, die wir wieder in den Markt bringen können.
Um auf Ihre Frage zurückzukommen ist also Beides zu bejahen. Die Mietmodelle begrenzen z.T. unser Wachstum, bieten aber auch neue Absatzpotentiale. Insgesamt werden sich beide Aspekte in den nächsten Jahren noch die Waage halten.

CRN: Beobachten Sie bei Ihren Kunden eine wachsende Nachfrage nach gebrauchten Windows 7-Lizenzen durch das Ende des OEM-Verkaufs letzten Herbst?

Helms: Zunächst war die Nachfrage nach Windows 7 sehr hoch. Das ist immer so bei der Ankündigung von Neuversionen, die ein neues Bedienkonzept verfolgen. Inzwischen haben sich aber viele Nutzer an Windows 10 gewöhnt, sind von deren Vorteilen überzeugt, und Windows 7 wird mehr im Privatbereich bevorzugt oder in Unternehmen, wo bestimmte IT-Vorgaben die ältere Version erfordern.