Autonomes Rasen: Schöne neue Autowelt

Die ständige Kontrolle durch digitale Assistenzsysteme wird das Autofahren zwar sicherer, aber sicherlich auch langweiliger machen. Dank einer cleveren Idee ist uns von der CRN jedoch weiterhin ungebremster Fahrspaß auf der Überholspur garantiert.

Nicht nur bei Sammlern könnten Oldtimer ohne smarten Schnickschnack künftig sehr beliebt sein
(Foto: Ivan Kurmyshov - Fotolia)

Wenn die Pläne der Politik und Industrie wahr werden und autonomes Fahren in ein paar Jahren Alltag wird, dürfte es auf deutschen Autobahnen und Landstraßen dereinst deutlich ruhiger werden. Wer zu spät losgefahren ist oder im Stau aufgehalten wurde und sich dem genauso beliebten wie meist sinnlosen Versuch hingeben will, die verlorene Zeit durch konstante Übertretung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit nach der alten Flensburg-Formel »V = erlaubte Höchstgeschwindigkeit + 20 km/h« wieder reinzuholen, der wird dabei von seinem smarten Automobil unsanft ausgebremst. Denn dank stets aktualisierten Karten und Kameras zur Erkennung von Verkehrsschildern wird der Blechgenosse mit Nachdruck auf das Bremspedal dafür sorgen, dass Tempo 80 im Baustellenbereich auch wirklich als verpflichtende Vorgabe erkannt und umgesetzt wird, statt als grobe Empfehlung für ängstliche »Sonntagsfahrer«, die das Verrutschen der Häkel-Klorolle auf ihrem Heckbrett als sicheres Zeichen für ein baldiges Ausbrechen des Fahrzeugs halten und es deshalb nur entsprechend behutsam – sprich in Zeitlupe – beschleunigen und um Kurven tragen.

Auf der langsameren Seite des fahrerischen Spektrums, also auf der linken Spur der Autobahn, wird das natürlich erst recht dazu führen, dass sich eben genau jene Sonntagsfahrer zum Geschwindigkeitswart berufen fühlen und ihre Mitbürger nach dem Motto »sie dürfen ja eh nicht schneller« noch einmal zehn bis zwanzig km/h unter den angegebenen Wert herunterbremsen. Das können sie dann auch in aller Seelenruhe tun, da der automatische Abstandswarner dafür sorgt, dass ihnen der enervierte Hintermann nur noch aus gebührender Ferne Grüße mit seinem nervösen Lichthupen-Finger heimleuchten kann. Und so rollt dann der 100.000 Euro teure Panzer-Sportwagen, kurz SUV, einträchtig im Gänsemarsch hinter dem untermotorisierten japanischen Kleinstwagen her.

Wer sich täglich auf deutschen Straßen bewegt, den wird schnell die Vorahnung ereilen, dass diese schöne neue Verkehrswelt für viele passionierte deutsche Hobby-Schumis dann doch ein gutes Stück zu ruhig sein dürfte. Nicht umsonst genießt der ADAC mit seinen gelben Engeln hierzulande den gleichen Schutz durch das Grundgesetz und gesellschaftlichen Rang wie eine Religionsgemeinschaft. Zwar sieht sich Deutschland gerne als Vorbild der sozialen Marktwirtschaft mit ihren ausgleichenden Kräften, aber spätestens beim Automobil hört der Spaß der Gleichmacherei dann eben doch auf. Denn wenn ein Credo noch tiefer in der deutschen Leitplanken-Kultur verankert ist, als das Einstehen füreinander, dann dieses: Wer mehr leistet, der soll gefälligst auch mehr Leistung haben und diese PS- und geschwindigkeits-Überlegenheit entsprechend zur Schau stellen dürfen. In Wahlplakat-Form gegossen, wird diese Forderung der Auto-Lobby immer wieder wenig verholen in die PS-Losung »Leistung muss sich lohnen« umgemünzt.

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