Design- und Industrie-Software für das Digital Enterprise: Siemens kauft Mentor Graphics

Für 4,5 Milliarden Dollar will Siemens den Designautomatisierungs- und Industriesoftware-Anbieter Mentor Graphics übernehmen. Dieser soll künftig wesentlich zum Geschäft mit Product Lifecycle Management-Software in der Siemens Division Digital Factory beitragen.

Mentor Graphics bietet unter anderem Lösungen für das Halbleiterdesign
(Foto: Mentor Graphics)

Mit einer wichtigen Erweiterung seines Portfolios für Industriesoftware treibt Siemens die Umsetzung seiner »Vision 2020« weiter voran. Das Unternehmen hat mit Mentor Graphics eine Vereinbarung zur Übernahme des amerikanischen Spezialisten für Design- und Industrie-Software getroffen. Mit einem Kaufpreis von 7,25 US-Dollar je Aktie in bar bezahlt Siemens gut 20 Prozent mehr als den letzten Preis des Papiers vor der Übernahmeankündigung und gibt dafür insgesamt 4,5 Milliarden Dollar aus. Das Board of Directors von Mentor und der größte Aktionär Elliott Management haben dem Deal bereits zugestimmt und empfehlen den anderen Anteilseignern, dass sie das Angebot ebenfalls annehmen.

Mentor soll in das Softwaregeschäft der Siemens-Division Digital Factory integriert werden, die zu den Weltmarktführern bei Product Lifecycle Management (PLM) und Automatisierungstechnik zählt. Mit den Produkten aus der Übernahme könnte Siemens sein dort angesiedeltes Digital Enterprise-Portfolio um etablierte Lösungen für integriertes Schaltkreis- (IC), SoC- und Systemdesign, Simulation und Herstellungslösungen erweitern. So gehört zu Mentor Graphics etwa seit einigen Jahren auch das Manufacturing Execution System (MES) von Valor, das Fertigungssteuerung im Sinne von Industrie 4.0 ermöglicht. Darüber hinaus bringt der Übernahmekandidat wichtiges Know-how für vernetzte Smart-Produkte wie etwa autonome Fahrzeuge mit.

Die Kombination von Siemens und Mentor ermöglicht Entwicklungstools für Mechanik, Thermik, Elektrik, Elektronik sowie Embedded-Software, mit denen Unternehmen ihre Innovationsgeschwindigkeit erhöhen, die Effizienz in der Produktion steigern und den Einsatz ihrer Produkte in der Praxis optimieren können. So kann Siemens Kunden auf dem Weg zum Digital Enterprise künftig über alle technischen Disziplinen sowie den ganzen Lebenszyklus eines Produkts hinweg helfen, alle wichtigen Faktoren wie Qualität, Effizienz, Flexibilität, Sicherheit und Geschwindigkeit zu verbessern. Nicht zuletzt hofft Siemens außerdem, von den sehr guten Geschäftsergebnissen bei Mentor zu profitieren. Das Unternehmen erzielte im letzten Geschäftsjahr knapp 1,2 Milliarden Dollar Umsatz mit einer bereinigten Marge von mehr als 20 Prozent. Siemens rechnet dank einer Kombination von Umsatzwachstum und erwarteter Margenverbesserung damit, schon im vierten Jahr nach Abschluss der Transaktion beim EBIT Synergien von 100 Millionen Euro zu erzielen.