Steuerverschwendung in der Beschaffung: »Genau prüfen, woher die Ware stammt«

Im Interview mit CRN berichtet Dirk Lynen, Geschäftsführer von 2ndsoft, wie die Unsicherheit der Einkäufer bezüglich der geltenden Rechtslage bei Gebrauchtsoftware oft zu erheblichen Mehrkosten für Unternehmen, Behörden und auch den Steuerzahler führt.

2ndsoft-Gründer und -Geschäftsführer Dirk Lynen
(Foto: 2ndsoft)

CRN: Herr Lynen, wie oft erleben Sie bei Ausschreibungen solche Fälle wie die jetzt von der Vergabekammer Westfalen kassierten Einschränkungen? Sind das lediglich bedauerliche Einzelfälle?
Dirk Lynen: Leider gibt es häufig Ausschreibungen mit Bedingungen, die von vornherein unser Mitbieten unwirtschaftlich oder gar unmöglich machen. Da kommt es vor, dass vorausgesetzt wird, dass alle Bieter ISO-zertifiziert sein müssen, was bei einem reinen (Software-)Handelsunternehmen eher selten der Fall sei dürfte. Oder es wird eine sogenannte Software-Assurance gleich für drei Jahre mit ausgeschrieben, was dann nicht nur gebrauchte Software obligatorisch ausschließt, sondern darüber hinaus nur noch das Anbieten eines ganz bestimmten Vertragstypus ermöglicht, was für den Ausschreiber, beziehungsweise den finanzierenden Steuerzahler, mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist.

CRN: Wo sehen Sie die Hintergründe für dieses Verhalten? Ist es alleine der Unsicherheit über die Rechtslage bei gebrauchter Software geschuldet?
Lynen: Neben der sicherlich immer noch vorhandenen Unsicherheit bei den entsprechenden Entscheidern spielt offenbar auch eine falsche Beratung eine Rolle. Anders ist die Ausschreibung mit Software-Assurance kurz nach Erscheinen einer neuen Version meiner Meinung nach kaum zu erklären. Ich würde mir wünschen, dass Verantwortliche sich vor der Ausschreibung nicht nur vom Hersteller und dessen Vertragspartnern sondern auch bei uns oder anderen Anbietern von gebrauchter Software beraten lassen.

CRN: Betrifft das alleine den Behördensektor, oder gibt es das gleiche Problem der negativen Einflussnahme auch im Unternehmensumfeld?
Lynen: Überall wo behördenähnliche Strukturen zu finden sind, gibt es solche Probleme. Wir haben beispielsweise Großkunden aus der Industrie, die es zwar mittlerweile verstanden haben, dass Gebrauchtsoftware eine – und bei nicht mehr produzierten Lizenzen manchmal die einzige – Alternative sein kann, aber dann auf einer bestimmten Herstellernummer beharren, die nur zu hohen Kosten zu beschaffen ist, während ein lizenzrechtlich identisches Produkt, bei dem nur ein (kostenlos vom Herstellerserver zu beziehendes) Servicepack fehlt, für die Hälfte zu haben ist.

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