Deutsche Produkte für chinesische Onlineshopper: Alibaba setzt auf »Made in Germany«

Der chinesische Etailer Alibaba will sein Sortiment an deutschen Produkten erheblich ausbauen. Insbesondere bei den Kunden im Heimatland des Amazon-Konkurrenten gilt »Made in Germany« nach wie vor als kaufentscheidendes Qualitätssiegel.

Chinesische Kunden wollen deutsche Qualitätsprodukte
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Während das Geschäft im Heimatland und dem asiatischen Wirtschaftsraum floriert, hat der chinesische Etail-Riese Alibaba in Europa mit einem schlechten Ruf als Online-Gemischtwarenladen mit großem Anteil an gefälschten Produkten zu kämpfen. Erst vor wenigen Wochen hatte Alibaba-Gründer Jack Ma bei einer Investorenveranstaltung mit der Aussage provoziert, dass die bei seiner Plattform verkauften Fälschungen oft besser seien als die Originale. Völlig anders sieht das hingegen der Chef des vergangenes Jahr gegründeten Deutschland-Ablegers Terry von Bibra, der diese Aussage als überzogene Antwort auf die ständige Kritik abtut und klarstellt, dass die Fälschungen im Portfolio für Alibaba nicht weniger als eine »Katastrophe« seien.

Denn auch in China selbst wird der Ruf nach verlässlicher Qualität und entsprechenden Markenprodukten immer lauter. Insbesondere das Qualitätssiegel »Made in Germany« steht laut beiden Alibaba-Verantwortlichen bei den chinesischen Kunden hoch im Kurs. Da sich dieser Trend vor allem bei Markenprodukten im mittleren bis gehobenen Preisbereich zeigt, sieht Bibra hier auch kaum eine ernsthafte Gefahr durch Fälschungen aus dem Billigsegment. Dieser Entwicklung Rechnung tragend hat der Konzern dem hiesigen Wirtschaftsraum inzwischen eine wichtige Rolle in seiner langfristigen Strategie eingeräumt und will das Sortiment an deutschen und europäischen Produkten stark ausbauen. Den Herstellern soll damit eine einfache Möglichkeit geboten werden, in den weltweiten Handel einzusteigen und ihre Verkaufsgebiete auf absatzstarke Wachstumsregionen außerhalb Europas auszubauen. Immerhin werden derzeit jeden Tag bereits mehr als 30 Millionen Pakete über das Partnernetzwerk von Alibaba verschickt. Eigene Logistikzentren will Alibaba aber im Gegensatz zu Amazon nicht aufbauen, lieber konzentriert man sich auf den weiteren Ausbau des Partner- und Produktportfolios.

Selbst die Wirtschaftskrise in China geht laut Bibra an der Onlineplattform bislang weitgehend vorbei, die Absatzzahlen steigen weiterhin ungebremst. Dabei spielen vor allem alltägliche Konsumprodukte eine große Rolle. Während andere Etailer gerade erst am Aufbau von Lieferdiensten für Nahrungsmittel arbeiten, sind diese bei Alibaba bereits ein wichtiges Standbein. So verkauft der Onlinehändler etwa große Mengen an H-Milch, Babynahrung, Nahrungsergänzungsmitteln sowie Beauty- und Gesundheitsprodukten. Aber auch Elektronik und Technik gehören zu den absoluten Topsellern. Wie modern Alibaba und seine Kunden sind, zeigt sich noch auf einem weiteren Gebiet. Mit über 70 Prozent Bestellungen von mobilen Geräten ist das Schlagwort »Mobile First« einiger westlicher Anbieter bei Alibaba bereits heute Realität.