CRN Kopfnuss: Warum Computer nicht einparken können

Ein Unfall im US-Bundesstaat Utah zeigt wie gefährlich es sein kann, der Intelligenz smarter Autos allzu sehr zu vertrauen. Beim automatischen Einparken übersah ein Tesla S einen Wohnwagen und rammte ihn. Schuld war – zumindest laut Tesla – natürlich der Fahrer.

(Foto: Tommy Windecker - Fotolia)

Ein aktueller Streitfall zwischen dem Elektroautopionier Tesla und einem Kunden zeigt deutlich die Probleme und Hindernisse auf, die Fahrer, Ordnungshüter, Versicherungen und Gerichte mit der zunehmenden Automatisierung des Automobils künftig häufiger beschäftigen dürften. Das Unheil begann damit, das Jared Overton aus Utah seinen Tesla S vom fahrerlosen Ein- und Ausparkmodus »Summon« selbständig in eine Parklücke bugsieren ließ. Dabei rammte der Wagen jedoch das vor ihm stehende Fahrzeug. Einigermaßen aufgebracht über diesen Steuerungsfehler forderte der Mann daraufhin den Hersteller dazu auf, den entstandenen Sachschaden in Höhe von mehreren hundert Dollar zu übernehmen. Immerhin, so die nachvollziehbare Argumentation des Mannes, sei das Hindernis – ein Wohnwagen – wahrlich groß genug gewesen, um es über die zahlreichen Sensoren erkennen zu können. Deshalb sei er davon ausgegangen, dass sein Tesla den bislang stets erfolgreich gemeisterten Einparkvorgang auch in diesem Fall problemlos bewältigen könne.

Tesla sieht die Sache jedoch – alleine schon aufgrund des möglichen Präzedenzcharakters – völlig anders und kontert nach dem Auslosen der Aktionsprotokolle des Fahrzeugs, der Kunde habe bei der Nutzung des Autopiloten sämtliche Sicherheitsvorschriften ignoriert. Diese stehen in der Bedienungsanleitung und werden bei der Aktivierung des Summon-Features zudem im Display angezeigt. Sie besagen unter anderem, dass die Funktion nur auf Privatgrundstücken genutzt werden darf und der Fahrer zu jeder Zeit konzentriert und bereit sein muss, selbst einzugreifen und das Auto per Knopfdruck auf dem elektronischen Schlüssel anzuhalten. Bedingungen also, die das beworbene und mit dem Fahrzeug bezahlte Softwarefeature zum fahrerlosen Parken in »in engen Lücken, die sonst kaum oder nicht genutzt werden könnten« ad absurdum führen. Ganz abgesehen davon, dass es dem Tesla sicher auch nicht weitergeholfen hätte, wenn der Wohnwagen auf einem Privatgrundstück hinter ihm gestanden hätte.

»Dieses Feature parkt den Tesla S während der Fahrer außerhalb des Fahrzeugs ist«, verspricht Tesla und schränkt ein: »Bitte denken Sie daran, dass das Fahrzeug gewisse Hindernisse nicht erkennen kann. Dazu gehören etwa besonders schmale (z.B. Fahrrad) Gegenstände, Hindernisse die niedriger als die Stoßstange sind und solche, die von der Decke hängen«. Dass auch ein mehr als zwei Meter hoher und breiter Wohnwagen unter diese Kategorien fällt, ist wohl nicht nur für Overton doch einigermaßen überraschend. Auch wenn sich die Software, wie Tesla stets betont, noch im Beta-Stadium befindet.

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