Editorial CRN 19/2016: Wider das Warten am Fluss

Geduldig seine Feinde vorbeitreiben sehen, irgendwann. Wäre Konfuzius ein Systemhaus-Chef, er würde sich heute vernetzen statt aktives Nichtstun zu predigen.

Aussitzen als Prinzip. So beschrieb einmal »Der Spiegel« die Amtsführung des Altkanzlers Helmut Kohl. Erfunden hat er die geradezu stoische Geduld aber nicht. Schon Konfuzius soll den Eiferern seiner Zeit geraten haben: »Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen.« Mag diese Weisheit in der politischen Ära der deutschen Wiedervereinigung noch Gültigkeit besessen haben, in der Wirtschaft, zumal der schnelllebigen ITK-Branche, käme heutiges Aussitzen einem ökonomischen Selbstmord gleich. So jedenfalls die übereinstimmende Überzeugung von Technologieherstellern, die vor einigen Jahren hauptsächlich durch aktives Nichtstun aufgefallen waren.

Man ist sich in der IT-Branche heute weitgehend einig, dass Warten die denkbar schlechteste Option ist, um den ein oder anderen Hype auszusitzen. Das Gegenteil davon, Aktionismus, ist nicht viel besser. Insofern beschreibt »Evolution« die derzeitige Lage, in der sich die meisten IT-Hersteller und ihre Partner sehen, am besten die Weiterentwicklung ihrer Aktivitäten: Nämlich die allmähliche Veränderung bestehender Geschäftsmodelle. Erfreulich aus Sicht von Systemhauspartnern und Resellern: Der hohe Grad an Vernetzung untereinander stimmt zuversichtlich, dass Aussitzen kein Prinzip im deutschen Channel ist.

Viel Beachtung hat bei CRN diese Woche die Meldung gefunden, dass mit der Kiwiko ein neuer IT-Verbund für Systemhäuser an den Start ging. Der Bedarf nach Kommunikation, gemeinsamer Vertriebs- und Marketingunterstützung, Projektzusammenarbeit und vieles mehr, ist bei Resellern nach wie vor groß. Ob Kooperationsarbeit bei Verbünden wie Comteam, iTeam, Nordanex und Novacur oder Netzwerken von Herstellern wie FNEXT (Fujitsu) oder Distributoren: Gerade mittelständische Systemhäuser spüren den Veränderungsdruck und sie beginnen sich zunehmend auch über die Grenzen ihrer Region zu organisieren.

Der Channel entdeckt (wieder) die Kraft gemeinschaftlicher Organisation. In Zeiten großer Veränderungen ist das ein gutes Zeichen für einen alles andere als lethargischen Partnerkanal.

Mit den besten Grüßen,

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur