Skandal um »Ant Simulator«: Stripperinnen statt Ameisen

Statt fleißig an der Entwicklung ihres Ameisenspiels zu arbeiten, soll das Team von »Ant Simulator« die Gelder aus den Vorbestellungen für Stripperinnen und rauschende Partys verprasst haben. Jetzt wurde das Projekt eingestellt.

(Foto: Tomasz Trojanowski - Fotolia)

Seit Monaten fiebern Simulations-Fans auf das Erscheinen von »Ant Simulator« hin, in dem man als eines der sechsbeinigen Insekten den Alltag in einem Ameisenstaat meistern und das eigene Volk voranbringen muss. Mehrere Tausend Spielefans haben das mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Spiel über Kickstarter unterstützt und kostenpflichtig vorbestellt, um so die weitere Entwicklung unabhängig von einem fremden Publisher sicherzustellen. Jetzt wurde die für dieses Jahr geplante Veröffentlichung allerdings überraschend und mit einem großen Knall abgesagt. Denn wie es aussieht, hat sich das Entwicklerteam heillos zerstritten und sich statt um die digitalen Ameisen lieber um leichtbekleidete Damen gekümmert. Das behauptet zumindest Eric Tereshinski, der Chef und oberste Programmierer des eigens dafür gegründeten Herstellers Eteeski LLC, in einer jetzt veröffentlichten Erklärung.

Seinen Anschuldigungen zufolge sollen seine Mitarbeiter, unter denen auch seine Freunde und Geschäftspartner Tyler Monce und Devon Staley sind, die Vorschüsse und ihre Arbeitszeit zuletzt vorwiegend in Stripperinnen und Trinkgelage investiert haben. »Sie haben den Großteil des Geldes aus der Kickstarter-Kampagne und in Bar- und Restaurantbesuche, Alkohol und sogar Stripperinnen investiert«, ärgert sich Tereshinski. Da seine Partner ihm verboten hätten, das Spiel alleine weiterzuentwickeln oder zu bewerben, sei er nun gezwungen, das Projekt vorerst auf Eis zu legen. Den daraus entstehenden Schaden müsse er wohl hauptsächlich alleine tragen, befürchtet Tereshinski. Er werde sich in den nächsten Wochen per Email an alle finanziellen Unterstützter wenden, um zu klären, ob und wie sie ihr Geld zurückbekommen können. Auch die weitere Entwicklung des digitalen Ameisenhaufens schließt er dabei nicht ganz aus und verspricht: »Das muss nicht das endgültige Aus bedeuten«.

Die von ihm der Geldverschwendung beschuldigten Weggefährten bestreiten die Vorwürfe hingegen vehement und bezeichnen sie in einer ersten offiziellen Reaktion gegenüber dem Portal Game Informer als »völligen Blödsinn«. Zwar seien in ihrem Budget auch Ausgaben für Essen und Getränke enthalten gewesen, allerdings nur in einem »vernünftigen und branchenüblichen« Maß. Der Mammutanteil war ihnen zufolge für externe Programmierer und 3D-Spezialisten reserviert. Ihrer Ansicht nach gibt es ganz andere Gründe für Tereshinskis Ausstieg und das damit besiegelte Scheitern des Projekts. Obwohl Monce und Staley sogar mehr eigenes Kapital in die gemeinsame Firma investiert hätten, habe Tereshinski in den letzten Monaten immer weiter versucht, sich zum Alleinherrscher aufzuschwingen. Dabei habe er sich unter anderem Firmeneigentum wie Konten, Webseiten und Rechte angeeignet. Als sie sich das nicht gefallen lassen wollten, habe ihr einstiger Freund beleidigt die Notbremse gezogen und versuche nun, die Schuld dafür dem Team anzulasten.

Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von Lars Bube , 16:24 Uhr

1. / 2. Das ist richtig. Der Simulator selbst wurde durch die Kickstarter-Plattform nicht finanziert. Aber die Gelder für das dort finanzierte Tutorial wurden von den Machern laut eigener Aussage großteils in den Ant Simulator gesteckt.

3. Neben dieser Kickstarter-Kampagne gab es laut den Entwicklern 250 Vorbestellungen der (auf 250 Exemplare limitierten) Beta sowie »Tausende« direkte Spenden zur Verwirklichung über die Webseite des Projekts. (der Donate-Button dort ist kaum zu übersehen)

4. Monce and Staley geben an, dass sie selbst mehr als 5.000 Dollar in das Projekt investiert haben. Ihnen zufolge hat Tereshinski etwas weniger an direkten Barmitteln in den Ant Simulator gesteckt, seiner eigenen Aussage zufolge war sein Beitrag sogar höher. Dazu kommen noch die freiwilligen Spenden und die Überschüsse von Kickstarter. Des Weiteren wurden über die 250 verkauften Betas jeweils 30 Dollar (7.500 Dollar) eingenommen. Das ergibt in Summe doch etwas mehr als die von Ihnen genannten 4.450 Dollar und würde - zumindest für die bescheidenen Verhältnisse eines Redakteurs - tatsächlich für einige veritable Abende in der Bar des Vertrauens reichen.

5. Über 80.000 Downloads alleine der in 48 Stunden programmierten Ursprungsversion lassen diese Zahlen durchaus glaubwürdig erscheinen und wären für andere Spiele nicht nur Vorschusslorbeeren, sondern schon ein handfester Erfolg. Zudem wurde das Spiel auch schon vor dem – für unsere Unterhaltungsrubrik Chill out natürlich gerne aufgegriffenen »Skandal« - von zahlreichen Entwicklerblogs und Games-Seiten wie GameZone vorgestellt. Natürlich ist die Aufmerksamkeit durch die jetzt ablaufende Schlammschlacht deutlich größer geworden.

Antwort von Michael McLord , 15:23 Uhr

FAKTENCHECK:

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1. Ant Simulator ist kein Kickstarter-Projekt.

2. Finanziert wurde über Kickstarter tatsächlich ein Video-Tutorial zur Spieleentwicklung, der Ant Simulator diente als Beispiel für das Tutorial, die Fertigstellung als echtes Spiel war nie versprochen worden und auch nie Gegenstand der Kickstarter-Kampagne.

3. Es gab 148 Leute, die das Projekt unterstützt haben, nicht "tausende".

4. Gesammelt wurden insgesamt 4450 Dollar. Abzüglich Steuern, Kickstartergebühren sind das ca. 1000 Dollar pro Entwickler (3 Leute), das über mehrere Monate gereicht hat. Viel Platz für "Stripperinnen" ist in dem Budget schon mathematisch nicht.

5. Das "Spiel" wurde nie "mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht". Das kannte vor dem "Skandal" niemand.

Als "Skandal" taugt der Ant Simulator also herzlich wenig. Er ist aber ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Copy & Paste-Presse heute arbeitet. Die Meldung ging in der letzten Woche fast identisch über alle Portale und Spielewebseiten. Keine einzige "Redaktion" hat sich die Arbeit gemacht, wenigstens mal auf Kickstarter zu schauen, ob das Projekt überhaupt exisitiert…