Peinliche Panne in US-Gefängnissen: Softwarefehler als Fluchthelfer

Ein jahrelang ignorierter Softwarefehler hat dazu geführt, dass Tausende Häftlinge zu früh aus amerikanischen Gefängnissen entlassen wurden.

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»Jailbreak« mit staatlicher Hilfe: Nachdem im März ein Häftling in Großbritannien per Email aus dem Gefängnis ausgebrochen war, wurde jetzt bekannt, dass die Digitalisierung der Haftanstalten in den USA dafür gesorgt hat, dass in den letzten Jahren sogar Tausende Insassen früher als geplant aus dem »Bau« kamen. Schuld an der Misere ist eine gravierende Softwarepanne, die sich bereits im Jahr 2002 in die Systeme eingeschlichen hatte. Damals hatte der oberste Gerichtshof eine Vereinheitlichung der Anerkennung von Strafminderungen in Landes- und Bezirksgefängnissen angeordnet, mit denen die Häftlinge etwa durch gute Führung oder die Teilnahme an Kursen ihre abzusitzende Strafe um bis zu einem Drittel verkürzen können. Daraufhin waren mehrere Bundesstaaten gezwungen, ihre Verwaltungssoftware so anzupassen, dass sie ihren Häftlingen auch die erreichten Strafminderungen aus Landes-Einrichtungen mit gutschreibt. Im Bundesstaat Washington wurde dabei allerdings gehörig geschludert. Denn statt den Häftlingen den Strafnachlass nur korrekt auf ihre Hauptstrafe anzurechnen, bezog die Software dazu auch Strafverlängerungen wegen besonders schweren Vergehen wie Sexualverbrechen mit ein, auf die der prozentuale Nachlass jedoch nicht angerechnet werden darf.

Dies trifft nach Angaben der betroffenen Strafvollzugsbehörde auf rund drei Prozent der Gefangenen zu. Nach ersten Schätzungen wurden damit in den letzten dreizehn Jahren über 3.000 Häftlinge vorzeitig entlassen, im Durchschnitt 55 Tage zu früh. Wie günstig sich dieser vermeintlich kleine Fehler für die Gefangenen im Einzelfall auswirken kann, zeigt der Fall eines Insassen, dem fast zwei Jahre zu viel von seiner Strafe abgezogen wurden. Da er aber trotzdem noch in Haft sitzt, wird er davon nicht profitieren können. Die Strafvollzugsbehörde hat einen vorübergehenden Freilassungsstopp für Gefangene mit entsprechenden Zusatzstrafen erlassen und prüft nun alle Fälle von Hand nach, während parallel ein Update für die Software erstellt wird. Zudem sollen einige bereits entlassene Häftlinge, denen besonders viel zu viel erlassen wurde, kontaktiert werden und den Rest ihrer Strafe noch absitzen müssen. Die meisten der aufgrund der Softwarepanne bereits Entlassenen sollen jedoch in Freiheit bleiben können, soweit sie nach ihrer Entlassung nicht wieder straffällig geworden sind. Besorgte Bürger fürchten dadurch eine Gefahr und fordern strengere Qualitätsrichtlinien für Behördensoftware. Immerhin war das Problem bereit seit drei Jahren bekannt, nachdem sich 2012 die Familie eines Straftäters bei einem Gefängnis gemeldet hatte, dass der anberaumte Entlassungstermin zu früh sei. Der Mann war dennoch zu früh entlassen und der Softwarefehler in der Prioritätenliste offenbar ganz unten einsortiert worden.