Eine Million Euro Steuern hinterzogen: Fünf Jahre Haft für PC Fritz-Chef

Im Steuerhinterziehungsprozess gegen die Verantwortlichen von PC Fritz ist ein erstes Urteil gefallen. Der Drahtzieher hinter dem Betrug mit raubkopierter Software wurde mit einer Haftstrafe über fast fünf Jahre belegt. Er selbst sieht sich als Opfer.

Am 1. April des vergangenen Jahres versuchte PC Fritz noch aus der Ablösung von Windows XP Gewinn zu schlagen
(Foto: Screenshot PC Fritz Facebook)

Das Landgericht Halle hat im Prozess wegen Steuerhinterziehung gegen die Hintermänner von PC Fritz ein erstes Urteil gesprochen. Die Richter verurteilten den Hauptverantwortlichen hinter der Betrugsmasche mit raubkopierten Softwarelizenzen zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Laut Insidern aus der Gebrauchtsoftwarebranche handelt es sich dabei um den 31-jährigen Firat C. aus Berlin, den CRN bereits vor eineinhalb Jahren als eigentlichen Drahtzieher hinter den wechselnden offiziellen Geschäftsführern wie Maik Mahlow vermutet hatte (siehe auch: Schmuckhändler kauft PC Fritz), während viele andere Medien noch die Marketing-Lüge des vermeintlich mutigen Davids im Kampf gegen den Goliath Microsoft geglaubt hatten. Das Landgericht sieht es nun offenbar ebenfalls als erwiesen an, dass der Verurteilte die Geschäfte des unseriösen Händlers aus dem Hintergrund geleitet und er damit die fast eine Million Euro hinterzogener Steuern hauptsächlich zu verantworten hat. Ob auch gegen die drei anderen verhafteten Manager von PC Fritz noch eine Strafe wegen Steuerhinterziehung verhängt wird, entscheidet sich erst in den nächsten Wochen.

Das endgültige Strafmaß für den jetzt verurteilten und seine Mitstreiter dürfte sowieso noch einmal deutlich steigen. Denn gleichzeitig läuft noch ein zweites Verfahren gegen die vier Angeklagten, in dem es um den gewerbsmäßigen Betrug und Verstöße gegen Urheberrechte geht. Immerhin sollen sie mehr als eine Viertelmillion Raubkopien von Microsoft-Produkten wie Windows und Office aus dubiosen Quellen besorgt und vertrieben haben. Unter Hinzuziehung dieser Anklagepunkte könnten den Hauptverantwortlichen letztlich sogar bis zu 15 Jahre Haft drohen. Besonders interessant könnte dieser noch wichtigere zweite Prozess durch ein überraschendes Geständnis des jetzt Verurteilten werden, das er jetzt vor dem Landgericht Halle abgelegt hat. Darin versucht er die Verantwortung von sich zu schieben und behauptet, dass der einstige Geschäftsführer Maik Mahlow eben doch der Hauptverantwortliche gewesen sei. Demnach soll der für seine exzentrischen Auftritte bekannte Mahlow, der zu Marketing-Zwecken unter anderem eine Krebserkrankung vorgetäuscht hatte, auch den Ein- und Verkauf der Raubkopien und gefälschter COA-Labels in Asien und der Ukraine veranlasst und gesteuert haben. Mahlow selbst hatte sich hingegen in seinem Geständnis vor knapp einem Jahr als Marionette der Hintermänner beschrieben und dabei auch ausgeführt, er sei von den Drahtziehern im Hintergrund bedroht worden die krummen Geschäfte weiterlaufen zu lassen. Unter anderem soll Mahlow dabei angedroht worden sein, ihm einen Finger abzuschneiden und ihn zu erschießen. Nachdem er verhaftet worden war, hatte Mahlow deshalb Personen- und Zeugenschutz beantragt. Das jetzt gefällte Urteil dürfte also lediglich der Auftakt zu einer Reihe weiterer spannender Verhandlungstage und saftiger Strafen sein.