Grenzenlos verkaufen: Stolpersteine für den internationalen Online-Handel

Immer mehr Online-Händler wollen über die eigenen Landesgrenzen hinweg expandieren. Doch nicht immer verläuft dieses Vorhaben erfolgreich.

Wer mit seinem Online-Shop in andere Länder expandieren will, sollte unbedingt regionale Unterschiede beachten (Foto: Christos Georghiou - Fotolia.com).

Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) wird der Umsatz der E-Commerce-Händler 2014 auf 38,7 Milliarden Euro steigen, das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit Online-Händler auch international erfolgreich sind, sollten sie laut dem Unternehmen Venda jedoch unbedingt regionale Unterschiede etwa bei der Logistik, Bezahlung und rechtlichen Aspekten müssen bedenken. Der Spezialist für E-Commerce hat fünf Erfolgsfaktoren für ein gelungenes Auslandsgeschäft ermittelt.

1. Payment-Angaben regional anpassen

Wer international handelt, sollte dafür sorgen, dass die Webseite nach Auswahl der Landeseinstellung die lokal gültigen Preise in der Landeswährung anzeigt. Befragungen zeigen, dass nur wenige, sehr motivierte Kunden es in Kauf nehmen, den zu zahlenden Betrag selbst in die eigene Währung umzurechnen. Wer weltweit versendet, sollte die Preisangaben außerdem aufgrund möglicher Kursschwankungen regelmäßig überprüfen. Nicht zuletzt ist es besonders wichtig, die Bekanntheit und Beliebtheit bestimmter Zahlungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Nationen zu berücksichtigen. Während in Deutschland Zahlungen per Kreditkarte, PayPal, auf Rechnung oder Nachnahme dominieren, wird in Frankreich die sogenannte Debitkarte eingesetzt, in den Niederlanden hingegen überwiegend das Online-Überweisungsverfahren iDeal genutzt. Nur Onlineshops, die ihren Kunden ihre gängigen Transaktionsmethoden anbieten, sind langfristig erfolgreich.

2. Klare Angaben zu Fullfillment und Logistik

Auch im internationalen Geschäft sollten E-Commerce-Anbieter die Angaben zu Lieferbedingungen, der voraussichtlichen Versanddauer und die Versandkosten nicht verstecken. Am besten sieht der Kunde bereits auf der Startseite einen entsprechenden Link mit dem Hinweis auf »internationalen Versand«. Dadurch erfährt der potenzielle Neukunde sofort, ob und zu welchen Konditionen er die gewünschte Ware in sein Heimatland ordern kann. Wer erst beim Checkout nach der Adresseingabe feststellt, dass die Versandkosten sehr hoch sind, wird den Kauf im Onlineshop in den meisten Fällen verärgert abbrechen. Günstige Transportkosten und ein unkomplizierter Rückgabeprozess sind auch bei Auslandsbestellungen kaufentscheidend.

3. Rechtliche Besonderheiten beachten

Innerhalb der EU wurden viele Richtlinien inzwischen angepasst und die rechtlichen Hürden sind entsprechend gering. Anders sieht es beim Handel mit großen, internationalen Absatzmärkten wie Brasilien, China, Japan oder USA aus. Händler müssen hier besonders die unterschiedlichen Widerrufsfristen und –bedingungen beachten. Diese und weitere rechtliche Vorgaben wie beispielsweise die Zustimmung zu AGB, Datenschutz oder Zahlungsinformationen sollte deshalb in jedem Fall ein spezialisierter Jurist prüfen und anpassen.

4. Die Sprache des Kunden sprechen

Um im Ausland erfolgreich zu sein, muss ein Onlineshop professionell lokalisiert werden. So sollten beispielsweise alle Produkt- und Hilfstexte in der jeweiligen Landessprache, zumindest aber auf Englisch, abrufbar sein. Wer einen kompletten Onlineshop in eine andere Landessprache übersetzt, muss den entsprechenden Arbeits- und Kostenaufwand dafür berücksichtigen. Auch die Umrechnung von Währung und Maßangaben darf nicht außer Acht gelassen werden. Außerdem gilt es, den Checkout-Prozess an fremde Länder anzupassen. So ist die Angabe des Bundeslandes zwar hierzulande unnötig – bei einem Warenversand in die USA ist die Angabe des Bundesstaats alleine für die Paketdienste aber unbedingt erforderlich. Ein solches Formularfeld muss folglich vorhanden sein. Auch beim Versand in die deutschsprachigen Nachbarländer müssen einige sprachliche Besonderheiten in Österreich und der Schweiz berücksichtigt werden.

5. SEO auch international entscheidend

Die Suchmaschinenoptimierung oder Search Engine Optimization – kurz SEO - bezeichnet bekanntlich alle Maßnahmen, die dazu dienen, dass Webseiten im Suchmaschinenranking in den unbezahlten Suchergebnissen, den Natural Listings, auf höheren Plätzen erscheinen. Wer sich besonders gute Geschäfte in ausgewählten Auslandsmärkten verspricht, sollte den Shop mit der länderspezifischen Domain eröffnen. Das schafft Vertrauen beim Kunden und ermöglicht es Suchmaschinen, die unterschiedlichen Domains den jeweiligen Ländern besser zuzuordnen. Wer in viele, ausländische Staaten verkauft, liegt mit einer generischen Domain wie ».com« oder ».info“«besser. Vermeiden sollten Händler auch »Duplicate Content«: Suchmaschinen filtern übereinstimmende Inhalte heraus oder bewerten sie sogar negativ. Selbst dann, wenn in mehrere, gleichsprachige Länder verkauft wird, müssen Inhalte umformuliert werden.