Datenbankmarkt wird kompetitiver: Oracle rüstet gegen SAP auf

SAP bekommt Konkurrenz: Mit einem neuen Zusatzmodul offeriert der Datenbankriese Oracle bald Möglichkeiten, Anwendungen jeder Art durch In-Memory-Technologie zu beschleunigen.

Larry Ellison, CEO von Oracle, bei der Präsentation seiner neuen In-Memory-Technologie (Foto: Oracle)

Seit drei Jahren evangelisiert SAP die Anwender: Die In-Memory-Technologie Hana sorge für grundlegende Verbesserungen bei der Performance und mache traditionelle plattenbasierte Datenbanken in großem Umfang überflüssig. Die Datenbankhersteller versuchten zunächst abzuwiegeln: In-Memory-Technologien seien nicht neu, IBM und Oracle hätten sie seit langem im Portfolio. Diese technischen Möglichkeiten hatten allerdings taktischen Charakter. Allmählich kommen nun strategischere Angebote aus ihren Entwicklungslabors. Im April hatte IBM BLU Acceleration vorgestellt: ein Zusatzmodul zur relationalen Datenbank DB2, das In-Memory-Verarbeitung und Spaltenorientierung erlaubt. Microsoft hat eine neue Version des relationalen Datenbanksystems SQL Server namens Hekaton mit In-Memory-Fähigkeiten in Arbeit, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll.

Nun meldet sich auch Datenbankprimus Oracle zu Wort. Konzernchef Larry Ellison hat Ende September auf seinem Jahreskongress in San Francisco neue Datensoftware vorgestellt, die den Hauptspeicher nutzt (in-memory) und spaltenorientiert (columnar) arbeitet. Spaltenorientierung ist für lesende Zugriffe günstig, wie sie bei analytischen Anwendungen kennzeichnend sind. Bei Transaktionsanwendungen, die schreibend zugreifen, ist hingegen die Zeilenorientierung herkömmlicher Datenbanktabellen geeigneter. Oracle wird die In-Memory-Technologie beim nächsten Release 12.1.0.1 des hauseigenen Datenbanksystems, das in der ersten Hälfte des nächsten Jahres auf den Markt kommen soll, als kostenpflichtige zusätzliche Option anbieten. Im Gesamtsystem sollen die Daten hybrid gespeichert werden: sowohl zeilen- als auch spaltenorientiert, um bei allen Anwendungsfällen die beste Performance zu erreichen. Analytische Abfragen sollen damit rund hundert Mal schneller ablaufen, Tansaktionsverarbeitung doppelt so schnell. Dabei dürfte es aber sehr auf den Einzelfall ankommen. Die Datenbankspezialisten bei den Anwendern müssen außerdem entscheiden, welche Datensätze in den Hauptspeicher kommen sollen. Weitere aktuelle Daten können im Flash-Speicher gehalten werden, weniger aktuelle auf diversen Plattenspeichern. Die bestehende Oracle-Umgebung mit ihren Leistungen im Hinblick auf Sicherheit und Backup kann unverändert genutzt werden, auch Anwendungen müssen nicht angepasst werden. Die neue Option lässt sich sowohl in Scale-out- (Hinzufügen von Rechnern im Cluster) auch in Scale-up-Szenarien (Hinzufügen von CPUs im Rechner) einsetzen. Außerdem offeriert Oracle sogenannte Engineered Systems aus Hard- und Software, um die Performance zu verbessern.

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