Polizeiliche Kriminalstatistik 2009:
Cybercrime in Deutschland auf dem Vormarsch

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

19.05.2010

Die heute vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik 2009 weist einen Anstieg der Cyberdelikte mit dem Tatmittel Internet um fast ein Viertel aus. Während der Anteil von Betrugsfällen weiter steigt, beruhigen sich andere kritische Bereiche wie Kinderpornografie und Softwarepiraterie.

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Immer mehr Cyberdelikte werden bei der Polizei angezeigt. (Bild: Danny Meyer, fotolia.com)

Deutschlands Straßen und öffentliche Plätze werden sicherer, während seine Datenautobahnen und Sozialen Treffpunkte mehr und mehr von Cyberkriminellen Betrügern und Abzockern unsicher gemacht werden. Das ist die bittere Bilanz, die nach der gerade von Innenminister Thomas de Maizière Maiziere vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik [1] für 2009 zu ziehen ist.

Erstmals wurden im vergangenen Jahr über 200.000 Straftaten registriert, die mit dem Tatmittel Internet begangen wurden, fast 25 Prozent mehr als noch 2008. Den Großteil der Cyberkriminalität machten Betrugsfälle aus, auf die gut 80 Prozent der Internetkriminalität entfielen. 30 Prozent dieser Fälle wurden unter Warenbetrug gelistet. Aber auch die Zahl der Betrugsfälle mittels rechtswidrig erlangter Daten von Zahlungskarten stieg von 10.124 in 2008 auf 17.072 in 2009 deutlich an.

Ebenso wies der Bereich Identitätsdiebstahl ein gefährliches Wachstum von fast zwei Dritteln auf. Hier zeigt sich, dass die Cyberkriminellen immer gezielter nach Zugangsdaten für Online-Banking und andere Dienste im Web greifen. Außerhalb des Webs werden dafür beispielsweise verstärkt Mittel wie das »Skimming« von Geldautomaten eingesetzt.

Weniger Softwarepiraten?

Straftaten mit Tatmittel Internet. (Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2009)

Anders als die Verbände der Softwarehersteller verzeichnet die Polizei einen Rückgang bei der Softwarepiraterie. Um ganze 33 Prozent seien die Fälle demnach zurück gegangen. Dies kann allerdings auch an den Erhebungsmethoden liegen, da der Polizei beispielsweise nicht alle Daten über illegal genutzte Software vorliegen, auf welche die Hersteller Zugriff haben. Parallel dazu gab es auch Anzeigenrückgang der Musikindustrie, wie die Statistiken zeigen.

Rückläufig zeigt sich gleichermaßen der Bereich des Besitzes und der Beschaffung von Kinderpornografie, in dem sich Zahl der registrierten Straftaten auf knapp 4.000 fast halbierte. Insgesamt erreichte die Zahl der Taten des sexuellen Mißbrauchs von Kindern den niedrigsten Stand seit 1993. Doch selbst wenn damit der gefürchtete Massenmarkt für illegale pornografische Inhalte in Grenzen bleibt, muss hier weiterhin von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, wie Polizeisprecher bestätigten.

Während die reale Kriminalität also weiter sinkt, sollten öffentliche Organe und Bürger ihre Anstrengungen und Strategien für mehr Sicherheit im virtuellen Raum noch deutlich verbessern.

[1] http://www.bmi.bund.de/cae/servlet/contentblob/1069004/publicationFile/65239/PKS2009.pdf