Praxis: Datenlöschung:
Vorratsdaten sicher löschen

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

16.03.2010

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen die bisherige Regelung der Vorratsdatenspeicherung müssen sich Internet- und Telekommunikationsanbieter jetzt Gedanken machen, wie sie die geforderte sofortige Löschung der angesammelten Bestände umsetzen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

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Nicht ausreichend zerstört: Dieser Datenträger ist noch immer lesbar. (Bild: Kroll Ontrack)

Das Bundesverfassungsgericht hat der Vorratsdatenspeicherung in ihrer aktuellen form eine klare Absage erteilt. Internet- und Telekommunikationsanbieter sind damit zur sofortigen Löschung der bis dahin gesammelten Daten aufgefordert. Allerdings gestaltet sich dies alleine schon aufgrund der Menge wesentlich schwieriger, als einfach ein paar Datensätze aus dem Speicher zu löschen. Hinzu kommen Probleme wie Backups, auf denen Teile der Datensätze ein zweites Mal vorhanden sein können. Außerdem müssen die Daten endgültig und sicher gelöscht werden, so dass sie nicht einfach wiederhergestellt werden können.

Besonders wenn die Festplatten nach der Löschung weiterverwendet werden sollen, müssen sie deshalb zuvor mit einer professionellen Datenlöschsoftware überschrieben werden, die keine brauchen Spuren oder Datenreste hinterlässt. Die Experten für Datenrettung, Datenlöschung und Computer Forensik, von Kroll Ontrack [1] empfehlen hier ein dreifaches Überschreiben der Daten mittels einer Löschsoftware: »Wenn so viele Daten schnell und sicher gelöscht werden sollen, müssen Software-Lösungen eingesetzt werden, die eine Balance zwischen schneller und effektiver Löschung finden und diese auch dokumentieren. Sicheres Löschen heißt aber nicht Formatieren oder Löschen mittels Löschbefehl. Nur ein Überschreiben der Festplatte verändert wirklich die physikalischen Gegebenheiten und vernichtet die Daten. Ein dreifaches Überschreiben ist dabei hinreichend sicher, wenn die Datenträger wieder verwendet werden sollen.«, so Edmund Hilt, Managing Director von Kroll Ontrack.

Lediglich eine Überschreibung der einzelnen Sektoren auf der Festplatte samt Löschung der Dateidaten mitsamt der Metainformationen wie Angaben zu Boot-Sektor, Betriebssystem- und BIOS-Informationen, Master File Tables sowie Partitionstabellen, bietet die nötige Sicherheit. Unter den verschiedenen Verfahren, die sich hauptsächlich durch Art und Häufigkeit der Überschreibdurchläufe unterscheiden, gilt die Gutmann-Methode als sicherste, aber auch aufwändigste. Bei ihr werden die Daten 35-mal mit bestimmten Werten nach einem speziellen Muster überschrieben.

Keine Entsorgung ohne physikalische Zerstörung

Etwas mehr ist jedoch gefordert, wenn magnetische Datenträger mit ehemaligen Vorratsdaten gleich ganz ausrangiert werden sollen. Zu oft sind schon Datenträger aus dem Recycling aufgetaucht, auf denen sich noch sensible Datenreste finden ließen. Hier empfiehlt Kroll unbedingt, auch physikalische Mittel wie die Entmagnetisierung mit einem Degausser einzusetzen.

Mittels Elektrospulen wird dabei ein äußerst leistungsstarkes Magnetfeld zum Löschen magnetischer Speichermedien aufgebaut, das auch wirkt, wenn die Datenträger defekt oder nicht mehr ansprechbar sind. So erzeugt etwa der »Ontrack Eraser Degausser 3.0« von Kroll eine magnetische Flussdichte von 10.000 Gauß im Zentrum der Speichermedien. In der Spitze erreicht das aufgebaute Magnetfeld sogar Werte von 18.000 Gauß.

Sorgfaltsregeln für eine endgültige Datenlöschung - nicht nur im aktuellen Fall, sondern generell für alle Bereiche in denen Firmen- und personenbezogene Daten gespeichert werden, finden Sie hier.

[1] http://www.ontrack.de/