IT-Spitzentreffen der Computer Reseller News:
Hier treffen sich die IT-Spitzenkräfte

von Markus Reuter (markus.reuter@crn.de)

11.11.2010

Die Bedingungen für das derzeitige Wirtschaftswachstum sind nicht nachhaltig, so die These von Norbert Walter, dem ehemaligen Chefökonomen der Deutschen Bank, auf dem IT-Spitzentreffen der Computer Reseller News. Doch Deutschland sei die »Lokomotive für Europa«. Viele IT-Führungskräfte waren im Kloster Seeon dabei.

Ist die Wirtschaftskrise von 2009 endgültig überwunden? Zumindest wachsen die USA, Euroland und Japan wieder gleichzeitig, was ein ungewöhnliches Phänomen ist. Das derzeitige Wachstum liegt bei vier Prozent, genau wie vor der einschneidenden Krise im vergangenen Jahr. »Nein, die Situation ist nicht in Ordnung«, betont Norbert Walter, der ehemalige Chefökonom der Deutschen Bank, in seiner Keynote auf dem IT-Spitzentreffen der Computer Reseller News. Die derzeitigen Bedingungen seien nicht nachhaltig, begründet Walter seine pessimistische Einschätzung. Die Zinsen könnten langfristig nicht auf diesem niedrigen Stand bleiben und die konjunkturfördernden Programme könnten wir uns auf Dauer nicht leisten.

Walter wechselte im Jahr 1987 in die volkswirtschaftliche Abteilung der Deutschen Bank in und wurde 1990 als Nachfolger von Franz-Josef Trouvain deren Chefvolkswirt. 1992 übernahm er zusätzlich die Leitung der neu gegründeten Tochter Deutsche Bank Research und wurde Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden Ende 2009 gründete Walter die Walter & Töchter Consult.

»Unser derzeitiges Wirtschaftswachstum ist unter Drogen aufgebaut«, stellt Walter fest.

Den etablierten Volkswirtschaften drohe künftig eine neue Gefahr: Die »Emerging Markets« machen sich dafür bereit, die Alte Welt zu überholen, konstatiert Walter. »In China waren die Banken und auch das gesamte Finanzsystem nicht von der Krise betroffen«, betont Walter. Die »logistische Kompetenz« der Chinesen sei überragend, so Walter. Doch nicht nur das Reich der Mitte setzt zum Überholmanöver an: Auch Lateinamerika verzeichnet wieder Wachstumsraten von vier, Brasilien sogar von sieben bis acht Prozent. Und Indien nähert sich mit seinem Zuwachs sogar China an. »Die politischen Rahmenbedingungen wie Diktaturen und Kastensystemen sind der Grund dafür, dass die Emerging Markets die Alte Welt überholen werden«, führt Walter aus.

Doch Norbert Walter analysierte nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern, sondern wagte sogar eine Prognose über die künftige Zinspolitik: »Eine Zinserhöhung steht unmittelbar bevor«, prognostiziert der Finanzexperte. Die Europäische Zentralbank (EZB) bereite den Ausstieg aus der Niedrigzins-Politik vor. Künftig könnten die Zinsen jederzeit kurzfristig heraufgesetzt werden. Die Inflation würde in den Emerging Markets steigen, jedoch nicht in den Industrienationen. In den USA und in Europa sei in diesem und auch im nächsten Jahr kein Inflationsdruck zu erwarten.

»Die Entwicklungs- und Schwellenländer werden im nächsten Jahr das stärkste Wachstum aufweisen. In Europa wird Deutschland seine Nachbarländer mitziehen«, ist Walter überzeugt. Deutschland sei die »Lokomotive für Europa«. Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien würden wegen ihrer strukturellen Probleme allerdings nur sehr verhaltend wachsen. »Ähnliches gilt für Nicht-Euroländer wie beispielsweise Großbritannien und Ungarn«, betont der ehemalige Chefökonom der Deutschen Bank Darüber hinaus würden die USA (2,5 Prozent) und Japan (ein bis zwei Prozent) nur langsam zulegen können.

Für Deutschland ist Norbert Walter optimistisch: Die voraussichtliche Zuwachsrate im nächsten Jahr läge bei 3,5 Prozent. Die weltweite wirtschaftliche Erholung und der schwache Euro helfe der Exportnation Deutschland. Die Kurzarbeit sei praktisch verschwunden, die Arbeitslosigkeit auf einem niedrigen Stand. »Es wird ein richtig gutes Weihnachtsgeschäft geben«, prognostiziert Walter. Und: »Deutschland packts!«

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