Ein Beruf im Wandel:
Der CIO - eine bedrohte Art?
Die Rolle des CIOs unterliegt seit ihrer Entstehung einem steten Wandel: Sie entwickelte sich von einer technischen hin zu einer interdisziplinären, strategischen Managementrolle. Dieser Wandel ist unumstritten. Aber wohin führt er?
Simone Zach, Managing Consultant Logica Deutschland.
Lange Jahre war die IT signifikanter Treiber für Effizienzsteigerungen im gesamten Unternehmen, Innovationsbringer und sogar Grundlage für neue Geschäftsmodelle. Parallel hierzu nahm der Anteil der IT- an den Gesamtkosten stetig zu und der Komplexitätsgrad der IT sowie ihres Managements stieg enorm an. IT wurde Bestandteil eines jeden Geschäftsprozesses – sie zu beherrschen, ist heute überlebenswichtig für Unternehmen. Dementsprechend gewann der CIO an Macht und Einfluss.
Neben der Sicherstellung eines reibungslosen IT-Betriebs hat der CIO heute eine Vielzahl weiterer Aufgaben zu verantworten, von denen viele außerhalb seiner traditionellen Zuständigkeit liegen. An erster Stelle stehen Kostensenkungen und das Ziel, den Return on Investment (ROI) von IT-Investitionen zu steigern. Gleichzeitig wollen Innovationen vorangetrieben und Anwender zufriedengestellt werden. Das große Ganze soll der CIO im Auge haben, nicht nur Einzelprojekte stemmen. Ein Integrator müsse er sein, eine Brückenfunktion im Unternehmen einnehmen, sich als Change Enabler und Ideengeber beweisen.
So lauten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die theoretischen Anforderungen an den CIO. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Von seinen Board-Kollegen wird er oft noch nicht als gleichwertiger Partner, sondern als Manager gesehen, der vorwiegend für Operational Excellence im IT-Bereich sorgen soll und bei technischen Fragestellungen hinzugezogen wird. Viele CIOs nehmen gar nicht regelmäßig an Board-Sitzungen teil, und vielerorts hat sogar der CFO das letzte Wort in Sachen IT.
In Zeiten der Krise profiliert sich manch CIO in erster Linie als Kostensenker: Einsparpotenziale werden identifiziert, Prozesse standardisiert, Infrastrukturen zentralisiert, Services und Support ausgelagert. Was aber bleibt dem CIO, wenn die Krise überwunden ist, ein neuer Aufschwung einsetzt? Er sieht sich einem geschrumpften Budget und einer kleineren Berichtsspanne gegenüber. Hiermit schwinden auch Freiheitsgrade und Einfluss. Je erfolgreicher er Effizienzsteigerungen bewirkt hat, umso mehr hat er seinen eigenen Spielraum verkleinert. Und für ihn wird es schwerer als zuvor, den strategischen Stellenwert seiner IT zu beweisen.
Cloud Computing verändert den CIO
Neue Anforderungen zwingen CIOs auf neue Wege. (Bild: frankoppermann, fotolia.com)
Hinzu kommt, dass IT verstärkt als reiner Service, als Komponente zur Umsetzung von Lösungen und Ideen verstanden wird: Im Umfeld von Cloud Computing und Software as a Service (SaaS) wird IT zunehmend als Commodity gesehen. Standardisierte Technologien und Prozesse in Kombination mit fortschreitender Globalisierung machen Outsourcing heute in ganz neuem Ausmaß möglich. Waren es zu Beginn Standardprozesse wie Gehaltsbuchhaltung oder Helpdesk, so sind es heute Customer Relationship Management (CRM), sensible Daten und ganze IT-Landschaften, die ohne Schwierigkeiten ausgelagert werden.
Wird die Bereitstellung technologischer Dienstleistungen zunehmend an Dritte vergeben, so verlagert sich der Verantwortungsbereich des CIOs: Er wird sich auf die Steuerung dieser Dienstleister konzentrieren sowie die Einhaltung von Governance- und Compliance-Anforderungen sicherstellen, deren Umsetzung zunehmend mehr Flexibilität und Schnelligkeit erfordern als intern abbildbar.
Wer noch weiter in die Zukunft blickt, kann gar zu dem Schluss kommen, dass der CIO eines Tages überflüssig wird: Wird die IT tatsächlich gänzlich zur Commodity, so hätte sie keinen strategischen Wert mehr.
Birgt IT aber nicht immer noch enormes Innovationspotenzial und sind es nicht gerade die technologiegetriebenen Firmen, die so erfolgreich und in aller Munde sind? Und kommt es nicht auch darauf an, um welche Art Unternehmen es sich handelt? Ja, neben den beschriebenen generellen Trends spielt natürlich der individuelle Kontext eine entscheidende Rolle. Unternehmens- und branchenspezifischer Stellenwert sowie Reifegrad der IT, aber auch die jeweilige persönliche Qualifikation sind Faktoren, die mittelfristig ganz unterschiedliche Arten von CIOs hervorbringen werden. Seine Fähigkeit, dem Business das Potenzial der IT zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und als Wertschöpfungsfaktor transparent zu machen, wird ausschlaggebend dafür sein, ob der CIO auf lange Sicht weiter eine Rolle im Board einnimmt.
Simone Zach ist Managing Consultant bei Logica [1] in Deutschland.
[1] http://www.logica.de/
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