Neue Rolle der IT:
Wenn weniger mehr sein soll

von Martin Fryba (martin.fryba@crn.de)

22.02.2010

Nicht jeder CIO ist ein David Copperfield. Doch gute IT-Leiter müssen heute schon über magische Kräfte verfügen. Denn: IT-Kosten sollen sinken, während der Geschäftsnutzen, also in erster Linie der Firmenumsatz, steigen muss – und das bei sinkenden IT-Budgets und fehlendem Personal. Wie gut, dass die Softwareindustrie Lösungen zur Quadratur des Kreises bereithält.

Der heutige CIO ist ein Value Creator

IT-Kosten zu senken war und ist immer ein Thema für CIOs und IT-Leiter, in der gegenwärtig noch immer nicht stabilen Konjunktur erst recht. Doch das allein reicht nicht mehr, wie aus der Befragung von Top-Managern führender Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hervorgeht. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney [1] hatte im Herbst vergangenen Jahres 55 Top-Manager im Rahmen der Studie »IT in Zeiten der Krise – und danach« befragt. Demnach hätte die CIOs gute Arbeit geleistet, denn mehr als die Hälfte der Befragten sieht keine Notwenigkeit mehr, in diesem Jahr ihre IT-Kosten weiter signifikant zu senken. Sie ist schon einen Schritt weiter.

Wer mit Sparen allerdings noch nicht durch ist, sieht vor allem im Rechenzentrum und beim Desktop-Management noch Einsparpotenzial. Weiter auf der Agenda seien auch Standardisierung vorhandener Plattformen, Konsolidierung, neue Technologien wie Virtualisierung sowie Überlegungen wie Make-or-Buy-Entscheidungen oder Outsourcing, respektive Offshoring. Letztere strategische Entscheidungen hätten durch die Wirtschaftskrise endgültig eine Legitimation erhalten. »Das sind schon lange keine Tabu-Themen mehr«, sagt Marcus Eul, Leiter der Studie von A.T. Kearney. »Viele Unternehmen nutzen die Krise, um solch intern oftmals recht sensiblen Themen angehen zu können«.

Jene Hälfte der Unternehmen, die das Sparen von IT-Infrastrukturkosten schon ausgereizt hat, attestiert Euler eine gute Arbeit: Die Unternehmen hätten rechtzeitig und mit Erfolg auf neue Technologien gesetzt und die Herausforderung weitgehend gemeistert, die IT-Kosten im Verhältnis zum rückläufigen Umsatz und zur schrumpfenden Mitarbeiterzahl im Griff zu haben. Sie können sich so zusagen in der Königsdisziplin der CIOs beweisen: Einem Zauberkunststück nach dem Motto aus weniger mehr machen. Gefordert ist nichts weniger als die Quadratur des Kreises, beobachtet Eul.

Unternehmens-IT vor Paradigmenwechsel

»Einerseits sollen IT-Ausgaben reduziert, andererseits ihr Geschäftsnutzen erhöht werden. Diese Tendenz hat sich durch die derzeitige wirtschaftliche Lage noch verstärkt und damit den Handlungsdruck für CIOs erhöht«, fasst Eul zusammen.

Auf der Agenda steht das, was schon seit geraumer Zeit immer wieder von der Unternehmens-IT gefordert wird und nun verstärkt in den Fokus rückt: Den Nutzen der IT als Werttreiber eines Unternehmens zu steigern. Lediglich für einen kostengünstigen und reibungslosen IT-Betrieb zu sorgen, von diesem Leitbild können sich CIOs verabschieden. Immerhin, so Eul, wollen 40 Prozent der befragten Top-IT-Manager Umsätze über IT stützen oder sogar steigern. Was früher der Vertrieb eines Unternehmens besorgte, fällt nun offensichtlich immer stärker der IT-Abteilung zu. Auf wessen Betreiben sich die Rolle einer IT-Abteilung in diese Richtung hin wandeln soll, verrät die Studie nicht. Immerhin: Der IT traut man offenbar diesen Paradigmenwechsel zu. Oder vielleicht doch nicht?

Denn eines hebt die Studie auch klar hervor: Für die notwendige Transformation würden qualifizierte Mitarbeiter sowie das Budget fehlen.

An fehlenden Mitteln und Personal soll das neue Selbstverständnis der IT indes nicht scheitern. Dafür gibt es ja Software für Business Intelligence, CRM, ERP oder Automation von Prozessen. »Wenn es den CIOs gelingt, trotz der derzeit sehr erschwerten Rahmenbedingungen die IT erfolgreich zu transformieren, können so neben Wachstumsimpulsen auch unternehmensweite Kosteneinsparungen realisiert und so die Profitabilität nachhaltig verbessert werden«, erklärt Eul den Weg zur Quadratur des Kreises.

Wie Automation nicht funktioniert, auch dafür hat die Softwareindustrie anschauliche Beispiele, wie CIOs in diesem Video sehen können.


[1] http://www.atkearney.de/