Gartner zu Fehlentwicklungen in der IT:
Super-GAUs in der Unternehmens-IT vermeiden
Es gibt viele Gründe, warum die IT-Infrastruktur – und die daran »hängende« Fachabteilung – die Erwartungen oft nicht erfüllen. Häufig sind hausgemachte Probleme dafür verantwortlich. Das Marktforschungsinstitut Gartner hat die zehn häufigsten Probleme und Fehler ermittelt.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Gartner [1] hat zehn Faktoren ermittelt, die sich als problematisch für die IT in Unternehmen und Behörden erweisen können.
1. Fachkräftemangel: Nach Ansicht des ITK-Branchenverbandes Bitkom [1] gaben 65 Prozent der deutschen IT-Firmen an, dass 2008 der Mangel an Fachkräften ihr Wachstum gebremst habe. Auch in anderen Branchen werden Spezialisten gesucht, etwa Programmierer und SAP-Fachleute. Allerdings warnt Gartner davor, »frische« Kräfte auf alte IT-Systeme loszulassen. Vielmehr sollte ein Unternehmen rechtzeitig über eine Systemmodernisierung nachdenken.
2. Konsolidierung in der IT-Branche: Übernahmen sind in der IT-Branche an der Tagesordnung. Häufig stellen die »neuen Herren« den Support für ältere Produkte des übernommenen Unternehmens ein. Das kann für Anwender zur Falle werden, die allzu lange auf ältere – aber abgeschriebene – Hard- und Software setzen. Eine Umstellung auf neue Systeme ist aufwändig; ein überaltertes System am Leben zu erhalten, ist aber meist ebenso riskant.
3. Alte Software bremst Anwendungen aus: Wenn Software altert, sammelt sich immer mehr Datenmüll an. Die Geschäftsagilität leidet. Allerdings ist leichter gesagt als getan, neue Programmversionen anzuschaffen, sei es wegen der Kosten, sei es wegen des Aufwandes bei der Implementierung. Hinzu kommt, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Unternehmen den Faktor »höhere Produktivität« ihrer Mitarbeiter durch neue IT-Systeme und Anwendungen hintanstellen.
4. Betriebskosten eskalieren: Auch dafür sind häufig veraltete IT-Infrastrukturen verantwortlich. Es wird immer teurer, alte Systeme am Leben zu erhalten. Wer mit dem Umstieg zu lange wartet, wird am Ende zu wenig Geld für Neuinvestitionen haben.
5. Das Technologieportfolio altert: Es wird immer schwerer, auf zukunftsfähige Systeme umzustellen, je länger ein Unternehmen damit wartet.
6. Der Zugriff auf Informationen wird diffiziler: Wenn Informationsbestände altern, wird die Analyse, auf die die Geschäftsnutzer angewiesen sind, zu einem Glücksspiel. Was Gartner nicht sagt: Häufig ist es für die IT-Abteilung extrem schwer, »alte« von »neuen« beziehungsweise relevante von nicht mehr benötigten Daten zu unterscheiden. In diesem Fall sind vor allem die Endanwender gefragt: Sie müssen Informationsbestände »ausmisten« und veraltete Daten archivieren.
7. Kapazitätsgrenzen drohen: Viele alte IT- und Netzwerkkomponenten sind nicht für die Belastungen ausgelegt, denen sie sich in Kürze gegenüber sehen. Ein Beispiel dafür sind Speichersysteme. Die Datenflut, unter anderem verschärft durch Compliance-Regeln, bringt Storage-Komponenten schnell an ihre Grenzen.
8. Neue gesetzliche Auflagen und Risiken: Hier kommt erneut das Schlagwort Compliance ins Spiel. Unternehmen müssen mit neuen und deutlich verschärften Gesetzen und Regeln in puncto IT-Sicherheit und Datensicherung (Backup, Archivierung) leben. Speziell Mittelständler sind hier oft überfordert oder haben gar keine Vorstellung davon, was »Compliance« für ihre IT eigentlich bedeutet.
9. Falscher »Einkauf« von IT-Services: Outsourcing oder Outtasing hin oder her – wer IT-Services auslagert, ohne Grund legende Kernkompetenzen im Haus zu halten, kann sein blaues Wunder erleben. Häufig steigen die Kosten, die Agilität sinkt und die Abhängigkeit von Externen ist kaum noch rückgängig zu machen. Gerade in Zeiten, in denen »Software as a Service« zum Heilsbringer verklärt wird, ist eine nüchterne Analyse vermeintliche günstiger IT-Service-Angebote angebracht.
10. Green IT wird falsch angepackt: Richtig ist, dass energieeffiziente IT-Systeme Geld sparen und der Umwelt helfen. Allerdings vergessen viele IT-Verantwortliche dabei, dass Green IT Rückwirkungen auf das gesamte Anwendungsportfolio hat. Energiehungrige Systeme gegen Strom sparende auszutauschen, will deshalb wohl überlegt sein. Hinzu kommt, dass nicht alleine die IT-Abteilung beim Thema Green IT mit im Boot ist. Auch das Gebäudemanagement, Stichwort Kühlung von Datacentern, muss involviert werden. Das wird häufig vergessen.
Strategie statt Tagesgeschäft
Ein Patentrezept, um diese Fehlentwicklungen zu vermeiden, hat Gartner natürlich auch: Strategische Planung sollte Vorrang vor kurzfristigen Entscheidungen haben. Zudem sei ein langfristiges IT-Modernisierungsprogramm anzuraten.
Wunderbar, dann müssen IT-Verantwortliche ja nur noch ihre Geschäftsführer oder Controller davon überzeugen, dass sie Zeit und Geld für solche Aktivitäten benötigen.
[1] http://www.gartner.com/
[2] http://www.gartner.com/
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