Exzessive Web-Nutzung:
Internet macht Männer krank

von Folker Lück (folker.lueck@crn.de)

12.10.2012

Internetabhängigkeit ist zwar bislang nicht als Suchterkrankung anerkannt. Dennoch zeigt ein aktueller Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), wer sich vor dem Web in Acht nehmen sollte.

Aktuelle Untersuchung: Männer mit Migrationshintergrund sind stärker gefährdet, internetabhängig zu werden. (Foto: monster.de)

Wer fast täglich bis spät in die Nacht auf Facebook postet, sich in Chatrooms austauscht oder bis zur Besinnungslosigkeit zockt und daddelt, der sollte sich einmal die Frage stellen, ob ein bisschen weniger Internet nicht gesünder wäre. Dass die Internetnutzung krankhafte Züge annehmen kann, stellt heute kaum jemand mehr in Frage.

Eine aktuelle Auswertung von 2011 erhobenen Daten zeigt: Besonders gefährdet sind Männer, Arbeitslose sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Dies erläuterte diese Woche die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP). Insgesamt ist die Internetsucht demnach jedoch nicht sehr weit verbreitet: Etwa 0,7 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland gelten als internetabhängig. Der Anteil bei Männern liegt jedoch mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen. Zudem ist der Anteil bei Menschen mit Migrationshintergrund sowie bei Arbeitslosen mit 1,7 Prozent überdurchschnittlich hoch. Eine geringe Schulbildung führt der Untersuchung zufolge hingegen nicht zu einem erhöhten Suchtrisiko.

Die Untersuchung basiert auf Daten der 2011 veröffentlichten Pinta-Studie der Universitäten Lübeck und Greifswald. Für diese wurden 15.000 Personen telefonisch zu ihrem Nutzungsverhalten befragt. Die Teilnehmer sollten etwa angeben, wie oft sie wegen intensiver Internetnutzung zu wenig Schlaf bekommen oder Kontakte zu Freunden und Familie vernachlässigen. Kritiker der Studie merken an, dass bislang nicht geklärt ist, ob aus medizinisch-psychologischer Sicht eine exzessive Internetnutzung eine eigenständige Siucht ist. So kann die Internetsucht auch eine Folge oder Begleiterscheinung von Depressionen sein.