Wohnzimmerangriff: Kriminelle vergreifen sich am Fernseher

Bislang war der Fernseher sozusagen die letzte Bastion der Deutschen: die Mattscheiben blieben von Cyberangriffen verschont. Die wachsende Beliebtheit von Smart TVs droht jetzt diese Idylle zu zerstören.

Der gemütliche Fernsehabend mit Freunden wird vielleicht bald von Cyberkriminellen bedroht (Foto: Andreas Wolf - Fotolia.com).

Denn Smart TVs verfügen über einen integrierten Computer inklusive Internet-Anschluss und somit über alles, was die Online-Gangster für ihre Attacken brauchen. Würde es Angreifern gelingen, die internetfähigen Geräte mit Schadcode zu infizieren, würde sich das für die Täter in mehrfacher Hinsicht lohnen: Von Datendiebstahl, über das Ausspähen des Wohnzimmers per Smart TV Kamera, bis hin zur Einbindung in Botnetze oder die Nutzung der geballten Rechenpower zum Knacken von Zugangsdaten, ist alles denkbar. Das Sicherheitsunternehmen G Data warnt daher: Smart TVs besitzen das Potential für einen neuen Schadcode-Hype.

Denn Smart TVs erschließen für kommerzielle Anbieter vollkommen neue Nutzergruppe: Menschen, die zuvor keinen Computer einsetzten oder nicht im Internet unterwegs waren, sind dank Smart TV jetzt online. Dadurch rücken sie nicht bei Shoppingportalen und Diensteanbieter ins Zentrum des Interesses. Nach Ansicht von G Data-Sicherheitsexperten Ralf Benzmüller wird dieses Potenzial unweigerlich auch Cyberkriminelle auf den Plan rufen.

Sollte es den Tätern gelingen, infizierte Apps in die Marktplätze der Hersteller einzuschleusen oder Smart TVs per Drive-by-Downloads zu infizieren, wären die Folgen nach Einschätzung des Experten nicht vorhersehbar. Der Leiter der G Data SecurityLabs zeichnet ein düsteres Bild: »Es wäre nicht auszuschließen, dass heimische Fernseher in Zukunft für DDoS-Angriffe auf Unternehmen, Industrieanlagen oder zum Knacken von Passwörtern missbraucht werden«. Seiner Einschätzung zufolge nutzen Cyberkriminelle bereits die frei zugänglichen Software-Entwicklungs-Kits der TV Hersteller, um Angriffsmöglichkeiten auszuloten: »Wir rechnen damit, dass in Kürze die ersten Proof-of-Concepts veröffentlicht werden«.

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