Exklusiv-Gespräch mit Gustavo Möller-Hergt: Straffer Also Actebis-Konsolidierungsplan greift

Gustavo Möller-Hergt, CEO und Deutschlandchef beim Broadliner Also Actebis, hat »geliefert«. Die Kosten sinken, auf unprofitablen Umsatz verzichtet der Distributor konsequent. Für höhere Gewinne sollen nicht zuletzt die neuen Herstellerpartner Apple und Samsung sorgen, wie der Distributionsmanager im Gespräch mit CRN.de erklärt.

Also Actebis-Chef Gustavo Möller-Hergt (Bildquelle: CRN)

Der Gang zum Berg Golgatha mit einem Kreuz auf dem Rücken bleibt Gustavo Möller-Hergt erspart – vorerst jedenfalls. Die schreibende und analysierende Zunft der Journalisten und Banker sowie einige Wettbewerber haben sich nämlich über die eigenwillige Arithmetik des Also Actebis-Chefs mokiert, wonach eins plus eins nicht gleich zwei, sondern vier sein soll (CRN berichtete). Diese, bei Fusionen oft verwendete Synergie-Gleichung hatte Möller-Hergt 2011 der ungläubigen Öffentlichkeit vorgestellt. »Einige ihrer Kollegen in Deutschland wollten mich dafür kreuzigen. Aber wir haben geliefert«, demonstrierte der Manager am vergangenen Dienstag in Zürich eine Halbjahresbilanz, die sich im Vergleich zum Vorjahr sehen lassen kann. Also Actebis konnte im ersten Halbjahr 2012 einen um 77 Prozent auf 20,3 Millionen Euro verbesserten Konzerngewinn präsentieren. Für das Gesamtjahr wird ein Überschuss von 37 Millionen bis 43 Millionen Euro erwartet. »In allen Ländern arbeiten wir jetzt profitabel«, sagt CEO Möller-Hergt sichtlich zufrieden.

Das gute Resultat sei kein reines finanzmathematisches Thema gewesen, beteuert der promovierte Diplomingenieur, der als Harvard-Absolvent alle gängigen Instrumentarien für Controlling, Führung und Organisation beherrscht. Solche Management-Tools sind - oder sollten zumindest in den Führungsetagen hinlänglich bekannt sein, doch meist werden die daraus abgeleiteten Sanierungsmaßnahmen in der Praxis torpediert und schlecht exekutiert. Mit dem Also Actebis-CEO ist letzteres allerdings nicht zu machen. Wegsanierte und Rationalisierungsopfer sprechen denn auch von einem knallharten und gnadenlosen Kurs, für Möller-Hergt dagegen sind die wieder erfreulicheren Kennzahlen eine Folge der »konsequenten Umsetzung unserer Strategie«.

Die Häufigkeit, mit der Möller-Hergt das Wort »konsequent« verwendet, lässt erahnen, dass die Zeit für Komfortzonen bei Deutschlands zweitgrößtem Distributionskonzern abgelaufen ist. Die Betonung, mit der der Deutsch-Peruaner Möller-Hergt sein Lieblingsadjektiv »konsekuent« ausspricht, ist durchaus als Warnung zu verstehen: Wer nur vordergründig dem Konsolidierungsplan zustimmt, das Commitment aber nicht »konsekuent« umsetzt, hat unter Möller-Hergt keine Zukunft.

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