Plagiarius 2018: China holt sich die Fälscher-Goldmedaille zurück

Bei der diesjährigen Verleihung des Negativ-Preises »Plagiarius« für die dreistetesten Produktkopien hat China den Spitzenplatz von den USA zurückerobert. Aber auch mehrere deutsche Plagiatoren finden sich wieder unter den Gescholtenen.

Nicht jedes Plagiat ist so offensichtlich erkennbar wie dieses »Sumsang«-Smartphone

Im Rahmen der Frankfurter Konsumgütermesse »Ambiente« wurde letzte Woche wieder der jährliche Schmäh-Preis »Plagiarius« vergeben. Er geht in Form eines schwarzen Gartenzwergs mit symbolischer goldener Nase, die sich die Nachahmer auf Kosten anderer verdienen, an die Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen. Ins Leben gerufen wurde der Negativ-Preis bereits 1977 von der Aktion Plagiarius e.V., die damit die Problematik des Diebstahls von geistigem Eigentum und der Produkt- und Markenpiraterie öffentlichkeitswirksam ins Rampenlicht rückt und das Bewusstsein von Industrie, Politik und Verbrauchern schärfen will. Zu den Preisträgern gehörten in diesem Jahr unter anderem die Kopien einer Schaltschrank-Heizung, eines aufblasbaren Wasserparks, sowie diverser Haushaltsutensilien bis hin zum Schweizer Taschenmesser. (Ab Seite 3 stellen wir Ihnen alle zehn diesjährigen Preisträger im Einzelnen vor)

In den heutigen Zeiten der globalen Wirtschaftsströme und des boomenden Onlinehandels haben die Juroren mehr denn je zu tun. Allein 2016 haben die EU-Zollbehörden laut EU-Kommission mehr als 41 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von 670 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Dabei tragen nach Ansicht des Vereins auch leichtgläubige Schnäppchenjäger, mangelnde Handlungsbereitschaft des Onlinehandels und ein zu geringes Strafmaß für Täter einen nicht unerheblichen Teil zur regelrecht explosionsartigen Ausbreitung des Problems bei. Dieses Umfeld sorgt dafür, dass die Plagiatoren immer dreister werden. Nach den Beobachtungen des Vereins findet zudem eine Professionalisierung der Plagiats-Schattenwirtschaft statt. So nutzt etwa auch die organisierte Kriminalität ihre weltweiten Netzwerke vermehrt auch dazu, mit Produkten wie gefälschten Zigaretten und Markenartikeln ihr Einkommen aufzubessern.

Bei den Produkten selbst wird die Spannweite immer größer, sowohl was die Art der nachgeahmten Originale angeht, als auch deren Qualität. Längst werden nicht mehr nur Verkaufsschlager kopiert, sondern immer häufiger auch Spezialprodukte, in denen meist umso mehr aufwendige Entwicklungsarbeit und Knowhow steckt, die sich die Plagiatoren kurzerhand einfach aneignen. Dabei kann und will der »Plagiarius« gar keine rechtliche Beurteilung der gescholtenen Produkte bieten, sondern vielmehr auf Unrecht in Form von allzu offensichtlichem Ideenklau hinweisen, das den geistreichen Erfindern der Originale geschieht und sie so auf vielfältige Weise schädigt.