Bauteile sollen selbst entwickelt werden: Apple will weitere Chip-Zulieferer ersetzen

Im Zuge seiner Bestrebungen unabhängiger von Zulieferern für elektronische Bauteile zu werden, will Apple künftig weitere Chips selbst entwickeln. Einigen Drittherstellern droht damit ein wichtiger Teil ihres Geschäfts weg zu brechen.

Apple will künftig mehr Bauteile seiner Smartphones und Tablets selbst entwickeln
(Foto: IHS Markit)

Für Smartphone-Hersteller ist die Auswahl an Komponenten zur Bestückung ihrer Geräte in den meisten Bereichen stark eingeschränkt, bis nicht vorhanden. Wer Chips und andere Bauteile nicht selbst herstellt wie Samsung, ist in der Auswahl konkurrenzfähiger Produkte häufig auf einige Quasi-Monopolisten angewiesen. Um diese Abhängig zu durchbrechen, hat sich Apple bereits vor einiger Zeit eine neue Strategie mit dem klaren Ziel verordnet, mehr Bauteile seiner iPhones und iPads selbst zu entwickeln oder zumindest alternative Quellen dafür zu stärken. So hat das Unternehmen etwa beim iPhone 7 einen Teil der Geräte mit einem Modem-Chip von Intel ausgestattet, statt dabei wie bislang ausschließlich auf Qualcomm zu setzen. In Kombination mit Vorwürfen wegen als zu hoch empfundenen Lizenzzahlungen und der Einstellung der Zahlungen führte das zu einem bis heute andauernden Streit mit Qualcomm, in dem sich die beiden Konzerne regelmäßig gegenseitig mit Klagen und Anschuldigungen überziehen. Den Lieferanten seiner Grafik-Chips, Imagination Technologies, will Apple eigenen Ankündigungen zufolge, gleich ganz selbst ersetzen.

Als nächstes sollen bei Apple nun offenbar unter anderem die Chips für das Energiemanagement auf den Prüfstand. Das will jetzt zumindest die japanische Tageszeitung »Nikkei« von Insidern erfahren haben. Demzufolge will Apple die Bauteile künftig lieber komplett selbst entwickeln. Das würde für den bisherigen Lieferanten, den deutsch-englischen Hersteller Dialog Semiconductor, nach Schätzungen von Analysten für Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent sorgen. Dementsprechend geriet die Aktie des Herstellers nach der Meldung unter Druck und büßte kurzzeitig über 20 Prozent ihres Wertes ein. Schnell bemühte sich deshalb Dialog Semiconductor darum, die Wogen wieder zu glätten und beruhigte, man selbst wisse noch nichts von derartigen Plänen. Es gebe keine Änderungen bei den Geschäftsbeziehungen zu Apple, so die Verantwortlichen des Herstellers.

Ob das allerdings noch lange so bleibt, darf angesichts von Apples Unabhängigkeits-Bestrebungen im Komponentenbereich bezweifelt werden. Immerhin zählen die Stromsteuerungschips zu den teureren Bauteilen von Smartphones und Tablets und bieten somit lohnenswertes Einsparungspotenzial. Doch nicht nur die Kosten und Abhängigkeit von den Zulieferern sprechen für Apple dafür, mehr Chips selbst zu entwickeln. Denn auch die Verzahnung einzelner Komponenten untereinander und mit der Software lässt sich besser realisieren, wenn man deren Baupläne und Funktionsweise selbst bestimmt. Das dürfte insbesondere mit dem zunehmenden Einsatz von KI-Lösungen in Smartphones in den nächsten Jahren immer wichtiger werden.