CRN Kopfnuss: Typologisiert (7): Die eiserne Lady

In unserer Typologie der ITK-Channel-Charaktere wenden wir uns einem ganz und gar femininen Manager-Modell zu: Der eisernen Lady.

(Foto: Fotolia/Darkbird)

Unserer Typologie der ITK-Channel-Charaktere fehlt bislang ganz klar die weibliche Note. Bislang – denn in dieser Folge wenden wir uns einem ganz und gar femininen Manager-Modell zu: Der eisernen Lady.

Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass in unserer Industrie weibliche Top-Manager leider immer noch viel zu selten zu finden sind. Denn machen wir uns nichts vor: Obgleich hinsichtlich der Frauenquote in den Führungsetagen in den vergangenen Jahren einige wenige Fortschritte erreicht wurden, ist unsere Branche immer noch eindeutig chauvinistisch geprägt. Der Tenor: Komponentenvertrieb und Server-Assemblierung sind Männersache, Frauen sollen lieber ihre hübschen iPhone-Hüllen spazieren tragen. Entsprechend schwer tun sich weibliche Spitzenmanagerinnen im Testosteron-gesättigten Geschäftsumfeld, ihre Kompetenzen und Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen.

Um das zu veraunschaulichen, wollen wir die Führungsetagen-Aspirantin versuchshalber auf den Faktor Aussehen reduzieren (denn das ist für die Kollegen-Affen in der ersten Vorstandbesprechung der entscheidende Einschätzungsfaktor). Ist die neue Vorstandskollegin also attraktiv, zwinkert sich das Kollegium wissentlich zu: »Die ist auch nicht wegen ihrer Kompetenzen hier. Har-har!« Ist sie aber nicht attraktiv, gerät das Zwinkern der Kollegen außer Rand und Band: »Die ist auch nur wegen ihrer Kompetenzen hier. Har-har!« Merke: Man kann es den Affen nicht rechtmachen!

Die eiserne Lady reagiert nun auf diese Herausforderung, indem sie gewissermaßen die Seite wechselt. Sie versteckt weibliche Stärken wie Empathie und Intuition in Astronautenanzug-ähnlichen Hose-Jacke-Kombis und hinter einem überzogen schroffen Befehlston. Tritt man als Reporter der eisernen Lady im Interview zu nahe, etwa indem man etwa fragt, ob sie sich zuhause heimlich beim wiederholten Gucken von »Dirty Dancing« von den Berufsstrapazen entspannt, muss man mit rüden verbalen Ausfällen rechnen. Oder schlimmer noch: Sie fordert den dreisten Interviewer zum Bratwurst-Wettessen oder einem russischen Schnapps-Roulette heraus. In selbigen, versteht sich, hat der verzärtelte Schreiberling natürlich keine Chance, weil der weibliche Chrustschow sich in diesen Disziplinen mithilfe eines Personal Trainers zu olympischer Reife hochtrainiert hat.

Der Erfolg gibt der IT-Channel-Walküre meist solange recht, bis sie mit ihrer rustikalen Strategie in ein typisches Chauvi-Fettnäpfchen tappt. »Wat gehste denn so komisch? Haste in die Hosen gemacht? Har-har!«, flappst sie dann vielleicht jovial ausgerechnet einen Untergebenen der empfindsameren Art an. Der will dann aber die Sache gar nicht gütlich mit einem Bratwurst-Wettessen klären, sondern besteht auf eine formale Entschuldigung und Abmahnung. Merke: Man kann es den Affen nicht rechtmachen!