Muss das Lernen digitaler werden?: Pädagogik statt Technik

Mit fünf Milliarden Euro will der Bund die Digitalisierung von Schulen fördern. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Studien zeigen, dass es vor allem auf gute Lehrer und nicht die technische Ausstattung ankommt.

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Anfang des Jahres hatte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka den Ländern bis zu fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung ihrer Schulen in Aussicht gestellt. Doch mittlerweile ist gar nicht mehr sicher, dass daraus etwas wird. Dem SWR zufolge war das Milliardenversprechen nicht mit Finanzminister Schäuble abgeklärt – Wanka fehlte zudem im Juni auf dem Treffen der Kultus- und Bildungsminister der Länder, auf dem eigentlich die Eckpunkte des »Digitalpakts« festgezurrt werden sollten. Derzeit sieht es so aus, als könne man das Vorhaben erst nach der Bundestagswahl angehen. Ob, wann und zu welchen Bedingungen dann Gelder fließen, ist unklar.

Für die Schulen mag das schade sein, aus pädagogischer Sicht ist es wohl zu verschmerzen. Immerhin haben mittlerweile zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass die digitale Technik dem Unterricht nicht guttut. »Die Realität ist, dass Technologie in unseren Schulen heute mehr schadet als nutzt«, brachte es Andreas Schleicher, Bildungsforscher und Leiter des Direktorats für Bildung bei der OECD, im vergangenen Jahr während einer Konferenz auf den Punkt. Mehrere deutsche Wissenschaftler haben in einem offenen Brief an die Kultusminister vor einem »Irrweg der Bildungspolitik« gewarnt.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Ernst Tiemeyer , 16:46 Uhr

Die letzten beiden Absätze des Artikels bringen die Problematik auf den Punkt: Fünf Milliarden Euro in die IT-Infrastruktur von Schulen zu stecken, wäre im digitalen Zeitalter eine gigantische Geldverschwendung (mit unübersehbaren Folgekosten), die wir uns keinesfalls leisten sollten. Eine IT-Infrastruktur ist heute nicht mehr zeitgemäß und spätestens nach ein / zwei Jahren eine Investitionsruine. Digitalisierung wird durch die Merkmale Mobility, Cloud und Connectivity geprägt; Investitionen in Hardware sind damit eher gering - wichtiger ist es in die "Köpfe" der Menschen zu investieren.

Das bedeutet gleichwohl nicht, dass digitales Lehren und Lernen in den Hintergrund treten sollte. Aber bitte zeitgemäß und innovativ sowie differenziert nach den Zielgruppen der Bildungseinrichtungen. Ich selbst habe dieses Thema seit mehr als 2 Jahrzehnten in Schulen und Hochschulen vertreten und bin der Überzeugung, dass es unverzichtbar ist, hier die Potenziale gezielt zu nutzen.

Im Fazit aber: zunächst (und das zügig) Investitionen in die digitale Qualifizierung des Bildungspersonals (Lehrkräfte). Dabei sollte eine bundesweite virtuelle Akademie eingerichtet werden, die Fortbildung des Bildungspersonals im Output überprüft und zertiiziert werden. Hier müssen unbedingt Anreize geschaffen werden, die "schläfrige" Lehrkräfte und Schulen automatisch im Wettbewerb zurückfallen lassen würde. So geht es sicher: Für die Schülerinnen und Schüler sind BYOD-Konzepte die wichtigste Investition.

Überlassen wir die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler sowie der künftigen Fachkräfte nicht den Fehlentscheidungen einer Generation, die von den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft nichts versteht!!!!!!!!!!!!!