Behörden nehmen Ingram-Micro-Muttergesellschaft ins Visier: HNA Group soll transparenter werden

Die aggressiv expandierende HNA Group reagiert auf zunehmenden Druck hinsichtlich seiner undurchsichtigen Strukturen mit einer Transparenzoffensive, die freilich viele Fragen offen lässt.

Das HNA-Headquarter in Hainan
(Foto: HNA Group)

Seit der Gründung einer eigenen Fluggesellschaft in den 90-ger Jahren in der eben erst etablierten Sonderhandelszone Hainan durch Chen Feng und Wang Jian, hat sich das Unternehmen zu einem weltweit aktiven Mischkonzern entwickelt, der mit seinen vielen Tochterfirmen in den Bereichen Transport, Logistik, Tourismus und Finanzierung jährlich rund hundert Milliarden Dollar umsetzt. Das Unternehmen – es war eines der ersten in China in privater Hand – gehört zu einer Gruppe aggressiv expandierender chinesischer Konzerne: In der IT-Branche wurde die HNA Group durch die Übernahme des Distributionsweltmarktführers Ingram Micro durch seine Tochtergesellschaft Tianjin Tianhai bekannt, in die allgemeine Aufmerksamkeit rückte der Konzern eher durch den Erwerb von fast zehn Prozent der Anteile an der Deutschen Bank.

Bereits beim Ingram-Micro-Kauf hatte die Gruppe einige schwierige Prüfverfahren durch amerikanische Behörden zu überstehen, nun gerät Medienberichten zufolge die Beteiligung an der Deutschen Bank ins Visier der Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese könnte, trotzdem die Beteiligung der HNA an der Deutschen Bank knapp unter zehn Prozent liegt, ein Inhaberkontrollverfahren einleiten. Dies erwägt die EZB, weil mangels Transparenz in den Strukturen des chinesischen Firmenkonglomerats nicht abzusehen ist, inwiefern der größte Einzelaktionär, etwa bei der Beschaffung von Kreditmitteln Einfluss auf die Bank nehmen könnte.

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