Radioaktive Schecks statt EC-Karte: 50 Jahre Geldautomat

Es ist selbstverständlich geworden, an jeder Straßenecke Bargeld aus dem Automaten ziehen zu können. Doch Geldautomaten gibt es erst seit 50 Jahren. Ihre Erfindung verdankt die Maschine einer Verspätung.

Beliebter als Handy und Mikrowelle

Obwohl sie sehr robust sind, halten Bankautomaten doch nicht allen physischen Attacken stand
(Foto: Balint Radu - Fotolia)

Neuland betrat 1978 die Kreissparkasse Köln, die einen der ersten Automaten in Deutschland installierte, der am Banknetz hing. Einziges Manko, wie der Automatenhersteller - die heutige Wincor Nixdorf - 2003 einräumte: »Der Geldcomputer war in der Bank selbst installiert und damit nur während der Schalteröffnungszeiten zugänglich. Den Kunden erschloss sich die Nutzung deshalb nur zögernd.« Der Durchbruch in Deutschland kam, als die Automaten wie schon in Spanien und Schweden im Foyer sowie im Außenbereich der Banken installiert wurden und damit rund um die Uhr nutzbar waren. In einer im Juni 2002 veröffentlichten Allensbach-Umfrage erklärten 72 Prozent der Deutschen den Geldautomaten zur beliebtesten technischen Alltagsneuerung (»Den kann ich gut gebrauchen«) - weit vor Mikrowelle (59 Prozent), Handy (58 Prozent) und Computer (56 Prozent).

Shepherd-Barron, der sich auch mit Schneckenzucht und Walrufen beschäftigte, starb im Mai 2010 mit fast 85 Jahren. Sein erster Bankautomat in Enfield ist längst abgebaut, nur eine Plakette erinnert noch daran. Reich wurde der Schotte mit seiner Erfindung nicht - er hatte sie sich nie patentieren lassen. In einem Punkt irrte der clevere Schotte: Shepherd-Barron erwartete, dass es heute überhaupt kein Bargeld mehr geben würde. Tatsächlich gibt es in Deutschland inzwischen sogar Drive-in-Geldautomaten, an denen Autofahrer Geld abheben können, ohne auszusteigen.

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