Radioaktive Schecks statt EC-Karte: 50 Jahre Geldautomat

Es ist selbstverständlich geworden, an jeder Straßenecke Bargeld aus dem Automaten ziehen zu können. Doch Geldautomaten gibt es erst seit 50 Jahren. Ihre Erfindung verdankt die Maschine einer Verspätung.

Die Erfindung der vierstelligen PIN

Nur der Vergesslichkeit von Shepherd-Barrons Frau ist es zu verdanken, dass PINs bis heute nur vier Stellen haben
(Foto: denisismagilov - Fotolia)

Schon zuvor hatte es erfolglose Versuche mit Bankautomaten in anderen Ländern gegeben. Staunend beobachtete nun der schottische Erfinder bei einem Urlaub in Nordthailand, wie ein Mann mit einem Ochsenkarren vor einem ATM-Automaten vorfuhr und Geld abhob: »Das war der erste Beweis für mich, dass wir die Welt verändert hatten.« Ein Massenphänomen waren die ungewohnten Maschinen, die nun anstelle des Kassierers am Bankschalter Geld auszahlten, zunächst freilich nicht. Als in Deutschland die Kreissparkasse Tübingen am 27. Mai 1968 den bundesweit ersten Geldautomaten aufstellte, konnten diesen nur 1000 ausgewählte Kunden nutzen. Sie durften bis zu 400 D-Mark abheben, brauchten dafür aber ein ganzes Bündel an Ausrüstung: einen Spezialschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik und Auszahlungsbelege in Form von Lochkarten. EC-Karten mit Magnetstreifen gab es noch nicht.

In Shepherd-Barrons Automaten mussten Kunden einen mit einer leicht radioaktiven Substanz imprägnierten Scheck schieben. War das nicht gefährlich? Nein, meinte der Erfinder: Er habe berechnet, dass man 136 000 dieser Schecks essen müsse, bevor deren Radioaktivität krank mache. Eigentlich sollten die Schecks eine sechsstellige Geheimnummer (PIN) zur Identifizierung haben, erinnerte sich Shepherd-Barron: »Aber meine Frau sagte über den Küchentisch hinweg, sie könne sich nur vier Ziffern merken. Ihretwegen wurden also die vier Ziffern der Weltstandard.« Und sind es bis heute.

Sonst haben moderne Geldautomaten mit ihren Vorgängern wenig gemein. Ein entscheidender Unterschied: Den Geräten der ersten Generation fehlte die Verbindung zu einem Zentralcomputer, um Informationen abzugleichen. Jeder Geldautomat war gewissermaßen eine Insel.

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