Anhaltende Allokationen im Komponentenmarkt: Die große Flash-Krise

Das Jahr 2017 bringt dem Komponentenmarkt Verwerfungen wie lange nicht mehr. Trotz der Verknappung und Preissteigerung einzelner Komponenten gibt es auch Gebiete, in denen der Fachhandel von dieser schwierigen Situation profitieren kann.

Mangelwaren

Die Umstellung der Flash-Produktion auf 3D NAND gestaltet sich problematischer als geplant
(Foto: Toshiba)

Völlig anders sieht die Lage hingegen im Consumer-Markt aus. Hier entwickelt sich der Absatz von PC-Systemen leicht rückläufig. Viele Kunden investieren ihr Geld lieber in andere Geräte wie neue Smartphones, als ihren PC auszutauschen. Dafür greifen sie gerne zu einzelnen Komponenten, um ihre Rechner partiell aufzurüsten. Besonders gefragt sind hier neue Grafikkarten, SSDs und Arbeitsspeicher. Die Marktforscher von Jon Peddie Research berichten, dass die Nachfrage nach neuen Grafikkarten im traditionell starken vierten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahr um 21,1 Prozent gestiegen ist. Bei Prozessoren verzeichneten sie hingegen ein deutlich geringeres Kaufinteresse, das sie vor allem auf die vergleichsweise schwache Leistungssteigerung der aktuellen CPU-Generationen zurückführen. Besonders interessant bleibt im Consumer-Umfeld für den Fachhandel weiterhin der Bereich Gaming. Befeuert durch die Popularität der E-Sports-Events investieren ambitionierte Spieler sowohl in neue Komplettsysteme als auch Komponenten im oberen Preissegment.

Während einzelne Komponenten und Aufrüst-Kits damit für den Fachhandel grundsätzlich eine interessante Verkaufsoption im Consumer-Umfeld bieten, wird die Situation allerdings durch eine außergewöhnliche Beschaffungsknappheit in mehreren Komponentensegmenten zusätzlich verkompliziert. Lieferprobleme bei mehreren Bausteinen treiben die Preise in die Höhe und machen damit den Herstellern und dem Handel gleichermaßen zu schaffen. Durch die steigende Nachfrage bei Komponenten wie SSDs für PCs aber auch IT-fremde Bereiche wird dieses Problem der Allokationen weiter verschärft. Konkret sind davon vor allem Flash-Speicher, Displays und Akkus betroffen.

Die größte Knappheit betrifft ausgerechnet den Flash-Speicher, der in immer höheren Stückzahlen und Kapazitäten in immer mehr Geräten vom Smartphone bis hin zur intelligenten Industriemaschine verbaut wird. Die Hersteller haben den enormen Bedarf offensichtlich unterschätzt und ihre Produktionskapazitäten nicht rechtzeitig angepasst. »Die notwendige Umstellung des Produktionsprozesses auf 3D NAND / 3D TLC verlief schwierig und die Produktionskapazität von 2D-Speicherchips wurde in dieser Zeit nicht weiter ausgebaut«, erklärt Hans-Jürgen Schneider, Vertriebsleiter des im Speicherbereich stark positionierten Distributors DexxIT, im Interview mit CRN.