Neue Pläne für europäisches Exascale-Cluster: EU peilt den Supercomputing-Thron an

Die EU will bis spätestens 2023 einen neuen Supercomputer bauen, der mit einer Rechenleistung im Exaflops-Bereich in die Top Drei der schnellsten Supercomputer der Welt vorstoßen soll.

Die EU will mit einer gemeinsamen Anstrengung einen Spitzenplatz unter den Supercomputern erobern
(Foto: vladimircaribb - Fotolia)

Während China im Supercomputing-Bereich inzwischen knapp die USA von der Weltspitze verdrängt hat, droht Europa allmählich abgehängt zu werden. In der aktuellen Ausgabe der Liste der schnellsten 500 Supercomputer vom November letzten Jahres war erstmals seit Jahren kein System aus den EU-Mitgliedsländern mehr unter den zehn Bestplatzierten zu finden und auch die Gesamtzahl der darin vertretenen europäischen Systeme sinkt stetig. Lediglich die Schweiz kann sich mit ihrem knapp 10 TFLOPS schnellen Piz Daint noch auf Platz acht halten. Der schnellste Rechner in der EU ist aktuell das mit dem Brexit bald ebenfalls wegfallende Cray XC40-System des United Kingdom Meteorological Office. Mit seinen 6,8 Petaflops ist es dem chinesischen Spitzenreiter Sunway TaihuLight, der es auf 93 Petaflops bringt, dennoch weit unterlegen. Und China hat bereits angekündigt, schon im nächsten Jahr den ersten Exascale-Rechner in Betrieb nehmen zu wollen.

Dieser schleichende Bedeutungsverlust und die damit drohende Abhängigkeit von Supercomputing-Kapazitäten in China und den USA hat jetzt offenbar auch die EU-Kommission aufgeschreckt. Noch in diesem Jahr will sie deshalb einen Plan für ein neues HPC-Cluster entwickeln, das mit der Weltspitze mithalten kann. Zielsetzung ist es, damit bis es 2023 einen der drei Spitzenplätze in der Top 500-Liste zu erobern. Dafür soll und muss der neue europäische Superrechner ebenfalls in den Exaflops-Bereich vordringen, also mehr als eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde abarbeiten. Die EU-Kommission sieht den Aufbau dieser Rechenleistung als wichtige Voraussetzung, um in Gebieten wie der Simulation von der Klimamodellen und der Vorhersage von Naturkatastrophen sowie in der Medizintechnik und Infrastrukturbereichen wie der Strom- und Wasserversorgung leistungs- und konkurrenzfähig zu werden.

Grundlage für die Mission zur Eroberung des Supercomputing-Throns sollen mehr gemeinsame Anstrengungen statt nationaler und lokaler Alleingänge sein. Schon jetzt ist absehbar, dass dabei die deutschen Kapazitäten auf diesem Gebiet eine tragende Rolle spielen werden. Mit 31 der 500 schnellsten Rechner stellt Deutschland immerhin noch mehr als jedes andere europäische Land und belegt weltweit den dritten Rang bei den kombinierten Rechenkapazitäten. Trotzdem sind aber auch einstige hiesige Spitzenrechner wie der HPC-Cluster »Hazel Hen« aus Stuttgart (Platz 14, 5,6 Petaflops) oder JUQUEEN im Forschungszentrum Jülich (Platz 19, 5 Petaflops) mit ihrer Rechenleistung weit hinter den enormen Anstrengungen der Chinesen in den letzten Jahren zurückgeblieben. Der 2010 vorgestellte Plan der Jülicher, gemeinsam mit IBM bis 2020 einen Exascale-Rechner fertigzustellen, ist ebenfalls gehörig ins Stocken geraten, ein für 2015 projektierter Prototyp bis heute nicht fertig.

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