Entwicklerboard für Profis: Huawei »HiKey 960«

Mit dem »HiKey 960« steigt jetzt auch Huawei ins Segment der Entwicklerboards ein. Der Mini ist deutlich stärker als Konkurrenten wie der Raspberry Pi, dafür allerdings auch erheblich teurer.

(Foto: Huawei)

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass sich Huawei mit seinem jetzt vorgestellten »HiKey 960« lediglich auch noch schnell ein Stückchen vom Kuchen der beliebten Entwicklerboards abschneiden will. Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings schnell auf, dass der gemeinsam mit anderen Herstellern wie Google, ARM und Lemaker entwickelte HiKey 960 in einer anderen Liga spielt als die meisten Mitbewerber wie der Raspberry Pi und damit auch eine deutlich anspruchsvollere Zielgruppe anvisiert. So setzt sich der Huawei-Mini schon beim Prozessor merklich vom weitgehend gleich sparsam ausgestatteten Feld ab. Als CPU kommt der selbst entwickelte »Kirin 960«-SoC zum Einsatz, der auch Huaweis aktuelles Smartphone-Flaggschiffe Mate 9 und P10 antreibt. Herzstück des Octacore-Prozessors sind zwei Cluster aus je vier ARM Cortex A73 und A 53-Kernen. Über den Corelink CCI-550 ist daran die neue Mali-G71 MP8-GPU von ARM angebunden, die dank nativ integrierter HEVC/H.265-Unterstützung sogar 4K-Videos flüssig ausgeben kann.

Diese Kombination ist nicht nur selbst wesentlich leistungsstärker als die SoCs der meisten Mitbewerber, sie bietet zudem auch im weiteren Umfeld mehr Möglichkeiten, die Huawei auch ausreizt. So bringt der HiKey 960 etwa drei GByte LPDDR4 Arbeitsspeicher sowie 32 GByte des schnellen internen UFS 2.0-Speichers mit. Dieser kann per MicroSD-Karte erweitert werden. Aber auch andere externe Speichergeräte können dank einem M.2-Anschluss mit deutlich mehr Geschwindigkeit genutzt werden. Über stellt bei Bedarf alternativ auch PCIe der zweiten Generation bereit. Darüber hinaus stehen den Nutzern zwei USB 3.0-Anschlüsse sowie einen USB 2.0 OTG-Port Typ C für direkte Verbindungen zur Verfügung. Displays werden mit bis zu 1080p Auflösung über einen HDMI 1.2a-Anschluss mit zusätzlichem 4-Lane MIPI DSI angesteuert. Für drahtlose Verbindungen sind auf dem Board sowohl ein Dualband WLAN- (802.11 b/g/n/ac) als auch ein Bluetooth 4.1-Modul samt der zugehörigen Antennen verbaut.

Neben dem obligatorischen 40-Pin GPIO-Anschluss ist auf dem 85mm x 55mm großen HiKey 960 noch ein 60-PIN Highspeed-Anschlussfeld verbaut, mit dem beispielsweise Kameras oder weitere USB-Ports angesteuert werden können. Als Betriebssystem kommt aktuell noch das offene Android 7 mit dem Linux-Kernel 4.4 zum Einsatz, die Version mit 4.9 soll aber bald nachgeliefert werden. Für Entwickler hat das den Vorteil, dass sie direkt in einer ARM-basierten Android-Umgebung programmieren können. Dafür müssen sie für den HiKey 960 allerdings auch deutlich tiefer in die Tasche greifen: Der Verkaufspreis liegt bei 240 US-Dollar und damit beim rund siebenfachen eines aktuellen Raspberry Pi 3.