CRN-Kopfnuss: Wider den Büroschlaf: Motörhead am Ohr

Acht von zehn Erwerbstätigen schlafen schlecht, um das zum Ärger des Chefs dann im Büro nachzuholen. Deshalb bietet IKEA nun die »Motörhead«-Serie für neue Höchstleistungen bei Dezibel-Maximum an.

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»Füllest wieder Busch und Tal / Still mit Nebelglanz, / Lösest endlich auch einmal / Meine Seele ganz.« Was war das noch eine ruhige Zeit, als der damals junge Goethe mit dem Gedicht »An den Mond« zur Entschleunigung riet. Gut, lassen wir mal die vielen Schlafwandler unerwähnt, die auf Hausdächern spazierten und gleichermaßen dem Vollmond und dem Abgrund entgegenschritten. Der heutige Somnambulismus dagegen ist in seinen Auswirkungen viel komplexer. Die Bewusstseinstrübung beschränkt sich nicht mehr nur auf das nächtliche Schlafwandeln.

In unserer Arbeitswelt 4.0 sind Räume und Zeiten nämlich längst so flexibilisiert, dass der hypermobile Mensch Freizeit und Arbeit und damit auch Ruhezeiten gar nicht mehr zu trennen weiß. Die Folgen kann man im aktuellen Gesundheitsreport 2017 der DAK nachlesen: Acht von zehn Erwerbstätigen schlafen schlecht, mit der Konsequenz, dass sie im Büro dem Feierabend entgegendösen. Wer oder was ist schuld am Büroschlaf? Wir schieben es mal auf den hektischen Zeitgeist, auf das Blaulicht, das von Smartphone-Displays schimmert und uns die Zeit für gesunden Schlaf raubt. Recht gibt uns Hirnforscher Manfred Spitzer, der das Smartphone für so ziemlich alle Übel dieses Planeten verantwortlich macht – Klimawandel und Fußpilz eingeschlossen.

Was also können, ja müssen Chefs gegen den Büroschlaf tun? Die schlechte Nachricht: Gegen die Profis des aktiven Nichtstuns ist kein Kraut gewachsen! Sie beherrschen perfekt die Kunst, im Wachschlaf sämtliche Vitalfunktionen auf ein Minimum zu drosseln. Vielleicht hilft ein Tipp aus Schweden, wo ganz oben im Norden Tag und Nacht ganz naturgegeben aufgehoben sind. Führungskräfte eines schwedischen Möbeldiscounters sind angehalten, dem Personal gelegentlich eine Tröte ans Ohr zu halten, die im satten Heavy-Metal-Sound den Satz »Schläftst du noch oder schuftest du schon?« rausschmettert. Modell »Motörhead« gibt es bei Ikea ab sofort auch im freien Verkauf in drei Varianten: 80 Dezibel (Presslufthammer), 100 Dezibel (Ghettoblaster) oder 130 Dezibel (Düsenjet). Die schlagartig wiedergewonnene Arbeitsperformance ist übrigens überwältigend: Wer die Tröte unbemerkt ans Ohr des Verkäufers legt, kann sehen, wie er Hochsprungweltrekorde von über zweieinhalb Meter aufstellt – und das aus dem Stand heraus. Wie heißt es doch schon so treffend bei Goethe: »Rausche, Fluß, das Tal entlang, / Ohne Rast und Ruh, / Rausche, flüstre meinem Sang / Melodien zu!«