Ärger über Preispolitik der Distribution: »Etailer sind bessere Lieferanten als Distributoren«

Der Ärger über nicht wettbewerbsfähige HEKs bei den Distributoren ebbt im Channel nicht ab. Überteuerte Preise und ein mangelhafter Service seitens der Grossisten bedrohe vor allem die Existenz kleiner, regional aufgestellter Systemhäuser, klagt ein Branchenkenner an.

(Foto: Fotolia/Vege)

Wenn Uwe Graf in der CRN Loblieder über die Betreuungsarbeit und die Service-Stärke der Distributoren liest, wie etwa anlässlich des CRN Distribution Awards (siehe CRN 42, Titel), fordert dies den freischaffenden Data Scientist zum Widerspruch heraus. »Die kleinen, regional aufgestellten Systemhäuser müssen um ihre Existenz kämpfen – und die Distributoren tragen daran eine Hauptschuld«, ist Graf, selbst beteiligt an einem sieben-Mitarbeiter-zählenden Systemhaus in Sachsen, überzeugt.

Denn diese kleinen Fachhändler könnten laut Graf bei den meisten Grossisten für viele Produkte keine wettbewerbsfähigen Händlereinkaufspreise erzielen. Hinzu komme, dass der Service im Großhandel, insbesondere bei der Retouren-Abwicklung, quasi nicht mehr existent sei. »Gerade für Commodity-Hardware-Produkte sind Etailer mittlerweile die besseren Lieferanten«, glaubt er. »Denn diese bieten nicht nur den deutlich besseren Preis, sondern sie kommen den Händlern auch beim Service in vorbildlicher Weise entgegen.«

Bereits zu Jahresbeginn sorgte der »Brandbrief« an die Distributoren« des Systemhauschefs Patrick Ruppelt für eine heftige Debatte im ITK-Channel, zu der die Distributionsschwergewichte wenig mehr beizutragen hatten, als die Schuldkarte an die Hersteller weiterzureichen.

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Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von ribu , 10:27 Uhr

Zitat:

"Wer den Mund aufmacht und über alle Distris meckern will, sollte erstmal alle Möglichkeiten ausprobiert haben!"

Autsch. Da spricht ein Großer. Was zum Teufel meinen diese Leute, dass wir an Ressourcen haben? Wir haben nicht die Sicherheiten wie "die". Unserer Kapitaldecke ist begrenzt. Unsere Zeit sowieso.

Was ich aus Disti-Kreisen weiß ist, dass die Hersteller die Distis mit Ware zubunkern, um auf "ihre" Zahlen am Ende des Jahres zu kommen. Im Grunde ist es schlichtweg "wurscht", wer auf wen zeigt. Die Leidtragenden sind die, welche die Rechnung bezahlen müssen. Das sind nicht die Hersteller, das sind nicht die Distributoren.

Wir haben früher viel mit Tech Data gemacht. Wir haben das alles vor Jahren schon beendet. Es machte keinen Sinn mehr weder vom Service noch von den Preisen. Gut - Liefersituation war definiert. Wenn wir "wieder mal" einen HP-Server verkaufen, bekommen wir den auch wo anders. Preisunterschied? Keine Frage. Serviceangebot? Tja - da kommt der Hersteller wieder durch. Wir wissen alle, dass sich auch bei HP etliches verändert hat. Klar HP ist ein schlechtes Beispiel. Nehmt einfach mal Produkte von AVM. Kauft das Zeug bei hm… egal sucht Euch einen Disti aus und dann schaut mal auf Amazon.de. Der Preisunterschied ist frappierend. Liefertreue? Einfach mal nachfragen. Der Unterschied ist marginal. Service? Tja da kann der Disti nichts mehr machen. Wir arbeiten noch mit ein paar Distis zusammen. Wissen aber dass Rückabwicklung/Garantie/Reparatur immer eine zähe Sache ist. WIR zahlen dabei IMMER drauf. Der Kunde kommt zu UNS !

So gesehen: Liebe Distis - Ihr meint, dass Ihr der Nabel der Welt seid. Seid Ihr nicht. Distis werden sich in was auch immer für Richtung entwickeln. Und ob die Distis die E-Tailer beliefern oder nicht ist uns als Dienstleister letztendlich egal, solange "unsere" Anforderungen erfüllt werden. Wir sind die schwächeren aber wir sind flexibel und können uns funktionierende Alternativen zu suchen.

Antwort von ein weiterer Distri-Mitarbeiter , 13:26 Uhr

Sehr geehrte IT-Handels-Kollegen,

Beiträge wie diese zeigen, wie wenige Argumente eines an den Pranger gestellten akzeptiert werden! Auch wenn diese Argumente die komplette Wahrheit wiederspiegeln. Ohne Hintergrundwissen werden diese als Ausreden abgestempelt.

Wie zuvor in Kommentar geschrieben, wird machen es sich Fachhändler und Systemhäuser oft sehr einfach. In einem Brandbrief wird die Distribution im ganzen angeklagt, obwohl nur Erfahrungen mit einzelnen Distris gemacht worden sind.

Nicht alle Distris sind gleich! Nur sind die meisten Fachhändler und Systemhäuser nicht Willens sich zeigen zu lassen, dass es auch Unterschiede zwischen den Distris und der dortigen Betreuung gibt.

Immer wieder machen meine Vertriebler die Erfahrung auf taube Ohren zu stoßen. Unfreundlichen Kommentare sind keine Seltenheit, ebenso Aussprüche ala "Ich mache kaum HW" oder "ich habe meine Lieferanten".

Zudem gibt es viele FH+SH die keine Lust haben Partner bestimmter Hersteller zu werden oder den Distri nicht über diese Partnerverträge informieren.

Lustig finde ich persönlich solche Aussagen, wenn man dann den entsprechenden Fachhändler in Berichten wie diesem über die Gesamtheit der Distris meckern liest.

JA, es gibt Negativbeispiele!

ABER: Wer den Mund aufmacht und über alle Distris meckern will, sollte erstmal alle Möglichkeiten ausprobiert haben!

Wer nicht die Möglichkeit nutzen will mit Distris gute Geschäfte zu machen, die (auch laut CRN-Umfragen) bessere Leistung bieten, sollte sich auch nicht negativ in solchen Berichten äußern…

In diesem Sinne:)

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Antwort von S. Tappert , 23:38 Uhr

Macht Ihr dann eigentlich einmal selbst Preisvergleiche ? A….n liegt inkl. Versand meist Brutto beim Netto EK + MWSt beim Distri ? Man ist nicht abgeneigt mit Distris zu verhandeln, aber alleine schon der Versandpreis ist dann meist noch astronomisch (weshalb es sich nicht lohnt). Was soll ich denn immer 12 oder mehr bestellen, wenn ich nur 6 brauche ? Die Distris haben doch eine Mitschuld, wenn Sie die Grossisten zu Dumpingpreisen bedienen. Wenn man Preise kalkuliert und der Kunde steht mit Smartphone (Preisvergleich) im Geschäft, kann man einpacken. Da hilft kein jahrelanger Support etc. als Beigabe (den Ihr ja dann auch ablehnt). Wenn ich dann preiswert bestelle und mein Paket kommt vom Distri wo ich es eigentlich bestellen wollte ist aber 30% günstiger dann schlackern mir die Ohren. Ihr seid schon Schuld, aber wie man sieht Beratungsressistent. Es kann und darf nicht sein das beim Grosshändler die Preise gleich dem Verkaufspreis von Grossisten sind, da brauch man sich wirklich nicht wundern. In diesem Sinne (:.

Antwort von Sascha , 12:51 Uhr

Auch wir bestellen hier viele Dinge die wir z.B. von Ingram benötigen über Jacob.

Wir sparen uns hier die Versandkosten, eine Menge Geld und die Ware kommt eh direkt von Ingram zu uns. Aus meiner sicht kann es nicht angehen das wir kleinen die günstigen Preise der Retailer quersubventionieren.

Ich will gar kein Value Add Geschäft der Distribution. Was sollen wir mit den Leistungen? Wir wollen einen fairen und vergleichbaren Produkteinkauf. Das ist in etwa das gleiche wie diese Office 365 Lösungen. Ich soll meine Kunden also weitergeben und mich mit geringen Provisionen abspeisen lassen, ja ne is klar. Ein Autohändler schiebt auch keine Autos durch um dann mit dem Value-Add Winterreifen sein Geld zu verdienen.