Editorial CRN 47/2016: Kampf gegen die eigene Natur gewinnen

Märkte ändern sich, der Mensch aber nicht, heißt es. Auf dem ITK-Spitzentreffen der CRN wurden jedoch interessante Konzepte diskutiert, wie man die eigenen Mitarbeiter doch noch zur Weiterentwicklung »anschubsen« kann.

(Foto: CRN)

Märkte ändern sich, der Mensch aber nicht. Eigentlich ist mit dem sechsten Lebensjahr Schluss: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, heißt es im Volksmund. Weite Teile unserer charakteristischen Verhaltensmerkmale sind genetisch vorgezeichnet. Der Mensch kommt eben nicht, wie antike Philosophen meinten, als Tabula rasa zur Welt, der Verstand ist keine leere Wachstafel, die im Laufe des Lebens nur reichlich mit Erfahrungen gefüllt werden müsse. Wer diese Ansicht teilt, wie es einige Referenten auf dem ITK-Spitzentreffen der CRN mit guten Gründen taten, braucht sich mit dem Thema Mitarbeiterentwicklung eigentlich nicht weiter zu beschäftigen.
So gesehen hätten einige Referenten bereits nach einer Minute ihre Vorträge beenden und mit Verweis auf Dantes Satz aus der Göttlichen Komödie die versammelten Führungskräfte aus der IT-Branche sofort wieder heim schicken müssen: »Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnungen fahren!«. Es wurde dann aber doch spät auf dem 8. ITK-Spitzentreffen der CRN in Bad Wörishofen: Vier Uhr morgens am ersten Tag und – nach kurzem Schlaf – bis 13 Uhr am darauffolgenden Tag. Zum Komplex Mitarbeiterentwicklung gab es nämlich viel zu besprechen. Beispielsweise, wie man mit subtilen Methoden der Verhaltensforschung gewünschte Änderungen nachhaltig, manche sagen auch: aufdringlich und manipulativ, erreichen kann. Ob Mitarbeiter, Kunden, Bürger oder schlicht Männer mit Fokussierungsproblemen vor einem Pissoir auf korrekte Zielrichtung zu bringt, ist keine vergebliche Mühe, sondern der klugen Umsetzung von Nudging-Konzepten zu verdanken.

Die innovativsten Technologien allein nützen weder IT-Herstellern, noch Systemhäusern und Distributoren, wenn es den Unternehmen nicht gelingt, ihre Mitarbeiter auf geänderte Kundenbedürfnisse in sich rasch wandelnden Märkten einzustellen oder neue Geschäftschancen zu ergreifen. Das gilt für Techniker wie für Vertriebsmitarbeiter, für Geschäftsführer und Top-Manager gleichermaßen. Wer sich nicht verändert, wird verändert. Ersteres ist, glaubt man Evolutionsforschern, auch ein Kampf gegen sich selbst. Das ITK-Spitzen-treffen verbreitete aber durchaus Hoffnung: Wir können den Kampf gegen die eigene Natur gewinnen.

Mit den besten Grüßen!

(Foto: CRN)

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur