Offensive für mehr Glaubwürdigkeit: Amazon verbietet gesponserte Bewertungen

Mit einer Änderung seiner Richtlinien für Produktbewertungen will Amazon gegen den ausufernden Trend vorgehen, dass Kunden mit Preisnachlässen und Gratis-Artikeln für positive Rezensionen bedacht werden.

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Amazon reagiert mit einer Änderung der Richtlinien für Kundenbewertungen auf die zunehmende Zahl der durch Anreize wie Preisnachlässe und Rabatte inzentivierten lobenden Produktrezensionen. Ab sofort dürfen Kunden in den USA keine Bewertungen mehr für Produkte abgegeben, die sie mit solchen Sonderkonditionen für eine Besprechung auf Amazon erhalten haben. Auch in Deutschland soll die Änderung demnächst gültig werden. Auslöser für den überfälligen Schritt ist eine interne Studie, die wenig überraschend zu dem Ergebnis kommt, dass entsprechende Besprechungen fast ausschließlich besonders positiv ausfallen. Das könne zu einer verfälschten Darstellung der Produktbewertungen führen, durch die wiederum andere Kunden getäuscht würden, so Amazons Befürchtung. In einigen Fällen sollen deshalb sogar bereits bestehende Kommentare, die entgegen anderen Bewertungen allzu kritiklos ausfallen, wieder gelöscht werden.

Das Unternehmen lässt in seinen neuen Richtlinien lediglich zwei Ausnahmen zu. So dürfen Verlage den Kunden weiterhin kostenlose Rezensionsexemplare zur Bewertung von Büchern auf Amazon zur Verfügung stellen. Dies sei bereits seit langer Zeit etablierte Praxis und führe weitaus seltener zu verzerrten Positiv-Bewertungen, begründet der Etailer diesen Bestandsschutz für seinen ursprünglichen Geschäftsbereich. Und auch die Amazon »Vine«-Kunden, die von Amazon und anderen Kunden als besonders aktive und glaubwürdige Tester eingestuft werden, dürfen weiterhin Gratis-Exemplare für Tests und Bewertungen erhalten.