Einigung im Linux-Streit: Sony entschädigt Playstation 3-Nutzer

Nach einem sechs Jahre andauernden Rechtsstreit hat sich Sony dazu bereiterklärt, betroffene Nutzer der Playstation 3 für die Abschaffung der Linux-Unterstützung zu entschädigen. Insgesamt will der Konzern dafür einen dreistelligen Millionenbetrag zur Verfügung stellen.

Sony will die Nutzer für das Abschaffen der Other OS-Funktion bei der Playstation 3 entschädigen

Bei der Veröffentlichung seiner Spielkonsole Playstation 3 hatte Sony 2006 unter dem Versprechen »Other OS« noch mit der Möglichkeit geworben, andere Betriebssysteme wie etwa Linux darauf installieren zu können. Mit dem Firmware-Update 3.21 wurde diese Möglichkeit dann jedoch 2010 überraschend abgeschafft. Laut Sony war dies nötig, da das Feature immer wieder dazu ausgenutzt worden war, illegale Kopien von Spielen herzustellen und zu nutzen. Daraufhin hatte eine amerikanische Rechtsanwaltskanzlei im Namen von mehr als 10 Millionen amerikanischen Kunden eine Sammelklage gegen Sony eingereicht. Da die Kunden entweder auf künftige Updates oder die Betriebssystem-Alternativen verzichten mussten, verlangte die Kanzlei in ihrem Namen einen Schadenersatz für die Nutzungseinschränkungen.

Ganze sechs Jahre und unzählige Verhandlungstage später steht der Streit jetzt kurz vor seinem Abschluss. Sony hat sich mit den Anwälten darauf geeinigt, die betroffenen Nutzer zu entschädigen und dafür einen hohen dreistelligen Millionenbetrag bereitzustellen. Nutzer die bereits sind unter Eid zu versichern, dass sie vor dem Update Linux auf der Playstation 3 aktiv genutzt haben und dies mittels eines Kaufbelegs sowie ihrer Playstation Network ID oder ähnlichen Verfahren wie Installationsprotokollen zu beweisen, sollen einmalig 55 US-Dollar erhalten. Wer glaubhaft belegen kann, dass er dies zumindest vorhatte und dadurch eine Wertminderung seiner Konsole in Kauf nehmen musste, bekommt hingegen nur neun Dollar zugesprochen. Die genauen Bedingungen sind in diesem pdf-Dokument bei Ars Technica zusammengefasst.

Die betroffenen Kunden sollen von Sony über das Playstation Network angeschrieben und über entsprechende Anzeigen auf diversen Internetseiten informiert werden. Inwieweit das auch für deutsche und europäische Kunden zutrifft, die nicht Teil der Sammelklage in den USA waren, ist allerdings noch nicht geklärt. Zudem muss am 19. Juli erst noch ein US-Bezirksgericht über die Rechtmäßigkeit der Einigung entscheiden. Sollte sie so akzeptiert werden, was angesichts der Zustimmung beider Parteien sehr wahrscheinlich ist, steht schon jetzt fest, wer der größte Profiteur der langwierigen Einigung sein wird: die Anwaltskanzlei. Sie erhält insgesamt 2,25 Millionen Dollar für ihre Bemühungen.