Dreiste Produktkopien beim Plagiarius 2016: Deutschland ist Plagiats-Weltmeister

Im Rahmen der »Ambiente« in Frankfurt hat der Plagiarius e.V. zehn besonders dreiste Produktfälschungen ausgezeichnet. Besonders traurig: Beide ersten Plätze des Schmäh-Preises ging in diesem Jahr nach Deutschland.

Links das Original und rechts das lebensgefährliche Plagiat
(Foto: Aktion Plagiarius e.V.)

Seit seiner Gründung 1977 rückt der Plagiarius e.V. alljährlich einige besonders freche Marken- und Design-Fälschungen, Technologie-Nachmacher und Raubkopien gnadenlos ins öffentliche Rampenlicht der Verbraucher, Politik und Industrie. Auf der »Ambiente« in Frankfurt hat der Verein jetzt bereits zum 40. Mal den schwarzen Zwerg mit der symbolischen goldenen Nase, die sich die Plagiatoren auf Kosten anderer verdienen, an insgesamt zehn schamlose Nachahmer verliehen (siehe Seiten drei bis zwölf). Dabei geht es den Initiatoren ausdrücklich nicht um eine juristische Einschätzung der Legalität nachgemachter Produkte, sondern vielmehr darum, ein Gespür für die wachsende Fälschungskultur und ihre Probleme und Gefahren zu erzeugen.

Verstärkt wird der Trend zu solchen Fälschungen und dem damit verbundenen Ideen-Klau insbesondere durch den globalen Online-Vertrieb. Immer mehr Kunden wollen ihre Ware vor allem billig einkaufen. Woher das Produkt kommt, und ob sie damit dem ursprünglichen Entwickler schaden, spielt dabei für zahlreiche Verbraucher angesichts niedrigerer Preise keine Rolle mehr. Fast die Hälfte aller Befragten einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young aus dem Dezember letzten Jahres gaben an, bei einem entsprechenden Preisunterschied die Anschaffung eines Plagiates in Betracht zu ziehen, oder bereits Plagiate erworben zu haben. Einige zwielichte Handelsplattformen und ihre Hintermänner profitieren ebenso von dieser Haltung, wie die Nachahmer selbst, die sich die Kosten für Forschung und Entwicklung sparen. Laut Europol operieren die Produkt- und Markenpiraten heutzutage meist sehr professionell und nutzen für den Vertrieb von Fälschungen teilweise sogar vorhandene Strukturen aus dem Waffen-, Drogen- und Menschenhandel.

In der Umfrage von Ernst & Young berichteten dementsprechend fast 60 Prozent der Unternehmen, innerhalb eines Jahres nach der Einführung eines neuen Produktes seien bereits erste Nachahmungen auf dem Markt aufgetaucht. Doch dieses Verhalten kann nicht nur wirtschaftlich erheblichen Schaden anrichten, wie der TÜV anhand einer nachgemachten Auto-Felge (siehe Bild) eindrucksvoll demonstrieren konnte. Der deutlich günstigere Nachbau bekam bei Belastung schon nach kurzer Zeit Risse und brach schließlich sogar komplett auseinander.