Editorial: Ein neuer IT-Hardware-Riese entsteht

Um die Abhängigkeit vom PC-Geschäft zu verringern, gehen die IT-Riesen unterschiedliche Wege. HP splittet das Unternehmen auf und Dell mutiert durch die EMC-Akquisition zu einem neuen Hardware-Giganten.

Mit einem Kaufpreis von 67 Milliarden US-Dollar ist diese Woche die bis dato größte Akquisition in der IT-Branche besiegelt worden. Für diese Rekordsumme muss Michael Dell zusammen mit der Beteiligungsfirma Silver Lake die Fianzierung stemmen. Michael Dell, der das von ihm gegründete Unternehmen erst vor zwei Jahren mit Hilfe von Investoren zurückgekauft hat, zahlt diese Summe nicht aus der Portokasse. Und Dell ist bereits mit etwa 12 Milliarden Dollar verschuldet und bräuchte für die Übernahme geschätzt noch weitere 40 Milliarden Dollar.

Für Dell bedeutet eine Transaktion in dieser Größenordnung nicht nur ein erhebliches finanzielles Risiko, denn die Zeit des billigen Geldes könnte schneller vorbei sein, als man denkt. Auch strategisch wird der milliardenschwere Zukauf nicht nur Vorteile bringen. Mit EMCs Storage-Produkten kann Dell zwar sein Portfolio für Enterprise-Kunden abrunden und als IT-Komplettanbieter zu Branchengrößen wie IBM aufschließen. Mit der Übernahme würde Dells Abhängigkeit von IT-Hardware aber eher noch zunehmen, denn auch EMC macht den größten Teil seines Geschäftes mit Storage-Hardware. Zwar hält EMC auch eine Mehrheitsbeteiligung an VMware. Der Virtualisierungs-Spezialist bleibt aber ein börsennotiertes Unternehmen. Die EMC-Aktionäre bekommen zu ihrer Barabfindung ein Papier, das den Wert der VMware-Beteiligung widerspiegeln soll. Und VMware ist auch ein wichtiger Lieferant von Dells Konkurrenten wie Hewlett Packard Enterprise, IBM oder Cisco.

Dell wird durch die Mega-Akquisition zu einem Hardware-Riesen – zur gleichen Zeit teilt der große Konkurrent HP das Unternehmen auf, um künftig schneller und flexibler reagieren zu können. Auf dem Canalys Channel Forum in Barcelona hat HP-Chefin Meg Whitman deshalb vergangene Woche weiteren Übernahmen eine Absage erteilt. HP würde künftig lieber in Forschung und Entwicklung investieren als in den Kauf von Firmen.

Mit besten Grüßen,

Michaela Wurm

Chefreporterin CRN