IT-Projekte im Handel: Digital Retail: PoS goes Etail

Nach Jahren haben viele Händler Omnichannel umgesetzt. Nun drängen Etail-Technologien in die stationäre Filiale, allein die Umsetzung wird auch hier ihre Zeit brauchen. Trotzdem sollten Händler den richtigen Zeitpunkt nicht versäumen.

»Abfallprodukte« mit Mehrwert

(Foto: Comarch)

Auch der IT-Dienstleister Comarch bietet eine eigene Beacon-Lösung an, mit der Händler den Konsumenten im Laden individuell ansprechen und mit zugeschnittenen Angeboten ködern können. Doch das Unternehmen bietet seinen Partnern zusätzlich die Möglichkeit, aus den als »Abfallprodukt« anfallenden Informationen Wert zu generieren, indem sie in Echtzeit analysiert werden. »An die hier verfügbaren Informationen gelangten Händler bisher nur im Rahmen von aufwendigen Auswertungen von Daten aus Loyalitätsprogrammen mit dem Nachteil, dass sich der Kunde erst bei Abschluss der Transaktion, wenn er an der Kasse seine Kundenkarte vorzeigt, zu erkennen gibt«, erklärt Philipp Erdkönig, Department Director Business Development Center DACH bei Comarch, gegenüber CRN. Die Comarch-Beacon-Lösung stelle diese Information für das Verkaufspersonal am Rechner, an der Kasse oder auf mobilen Geräten dar, sobald der Kunde den Laden betrete, und ermögliche so die personalisierte Betreuung während des gesamten Aufenthalts im Laden mitsamt voller Ausschöpfung von Up- und Cross-Selling-Potenzialen. Ebenso lassen sich die Bewegungsdaten des Kunden innerhalb des Ladens auswerten. »Bisher nur als teures Projekt von Marketingagenturen angeboten, können Händler nun konstant Informationen darüber sammeln, wie sich die Kunden im Ladengeschäft verhalten«, erklärt Erdkönig. So lässt sich das Einkaufserlebnis weiter optimieren. Wo in Offline-Zeiten oft nach dem Trial- and Error-Prinzip verfahren werden musste, können Händler nun margen- und umsatzstarke Produkte strategisch viel einfacher in den am meisten frequentierten Regalen platzieren.

Erdkönig weist darauf hin, dass Comarchs Gesamtlösung aus Beacon-Hardware, App und Cloud-Anwendungen zur Verwaltung und Analyse für Unternehmen jeder Größe geeignet ist. Der Manager betont aber auch: »Die beste Beacon-Strategie kann nur dann funktionieren, wenn die Kunden auch eine entsprechende App auf ihren Smartphones installiert haben.« Vor allem für kleine Händler mache es aber wenig Sinn, eine eigene App an den Mann zu bringen, da Kunden erfahrungsgemäß nicht bereit seien, eine eigen App für jeden Laden, in dem sie einkauften, zu installieren. Erdkönig sieht für diese Gruppe zwei Lösungsszenarien. Zum einen kann sich eine Gruppe kleinerer Händler beispielsweise innerhalb eines Einkaufszentrums zusammenschließen und mit Comarch eine eigene übergreifende Shopping-App entwickeln. Jeder Händler verfügt dann über eine gewisse Anzahl an Beacons, die er bei sich einsetzen kann. Gleichzeitig erhält jeder teilnehmende Händler Zugriff auf die aggregierten Daten. Dieser Ansatz wird während der neunten Kult(ur)-Nacht am
11. September in München eingesetzt, bei der alle 200.000 erwarteten Besucher per Comarch-Beacons über das laufende Programm informiert werden. Eine dedizierte Lösung wird aktuell mit MSH in einer Filiale pilotiert. Neben ortsabhängigen Angeboten wird dort Comarch-Beacon-Kunden der Weg zum richtigen Regal per Smartphone aufgezeigt.