20 Jahre CRN und Channel-Presse: Vom Pioniergeist bis heute getragen

Anpackende Ingenieure, mutige Kaufleute, verrückte Self-Made-Glücksritter und jede Menge Pleitiers: Wer im Laufe zweier Dekaden auf die Titelseite der CRN kommt, findet im ITK-Channel Gehör – manchmal mehr als ihm liebt ist. Doch dieser bunte Channel suchte lange nach publizistischer Öffentlichkeit. Bis 1995 CRN in Deutschland an den Start ging.

Am 6. März 1995 erscheint in Deutschland die Erstausgabe der CRN
(Foto: CRN)

Martina Lübon lotst Bill Gates durch die Katakomben des Hannoveraner Messegeländes. Kein CeBIT-Besucher und niemand von der Presse sollen vorab den Weg kennen, den der prominente Software-Unternehmer aus Amerika zu seinem Podium nehmen würde. Die spätere Projektleiterin des Fachhandelsforums Planet Reseller kennt alle Schleichwege bestens und so eskortiert sie in geheimer Mission den damals 39-Jährigen vom Helikopter-Landeplatz Mitten ins Messegeschehen. 12. März 1995: Gates stellt in Hannover auf der CeBIT Windows 95 vor und skizziert, wie die Informationstechnologie in zehn Jahren aussehen wird. Doch statt Vision zu verbreiten, gilt es zunächst das Tagesgeschäft abzusichern und alle Zweifel am pünktlichen Erscheinen des für Microsoft so eminent wichtigen neuen Betriebssystems zu zerstreuen. Sechs Tage zuvor zitiert die auf der CeBIT ausliegende Erstausgabe der Computer Reseller News (von Anfang an »CRN« genannt) Betatester, die von Problemen mit der Kompatibilität von Sound- und Netzwerkkarten berichten. CRN befragte zuvor Insider, die den Teufel an die Wand malen: Es drohten Verzögerungen bis in den späten Herbst, PC-Hersteller, Retailer, die Distribution und der Fachhandel bangen bereits um das Weihnachtsgeschäft.

»Willkommen! Computer Reseller News ist da!«

Was hier Thorsten Köster, der erste Chefredakteur der deutschsprachigen CRN, nüchtern und unaufgeregt in seinem ersten Editorial präsentiert, ist das Ergebnis einer rund einjährigen Vorbereitungszeit publizistischer Pioniere: Am 6. März 1995 erscheint die Erstausgabe, 112 Seiten stark, großes A1-Format, ganz nach dem Vorbild der großen US-amerikanischen Ausgabe dieses Fachhandelmagazins. Die CRN ist im US-amerikanischen IT-Handel bereits seit 1983 eine feste Institution. Wöchentlich erreichen die Kollegen vom Verlagshaus CMP in Manhasset /New York eine Auflage von 90.000 Exemplaren, und das nahezu ohne Konkurrenz. Was Microsoft im Markt für Betriebssysteme auf dem PC geling, schafft die amerikanische CRN in ihrem Markt für IT-Fachhandelspublikationen: Einen Anteil am Werbevolumen von über 90 Prozent. Nun gibt es die CRN auch in Deutschland. Das familiengeführte Verlagshaus aus New York gründet mit der wenig später vom anderen Familienunternehmen WEKA übernommenen MagnaMedia AG die deutsche Ausgabe der CRN. Übrigens: Auch Verlagshäuser in anderen europäischen Ländern werden Lizenznehmer der CRN. Ein längst überfälliger Schritt.