BGH-Grundsatzurteil erschwert Finanzierungsmodell für den Handel: Auslaufmodell Null Prozent-Finanzierung?

Für ITK-Händler wird es deutlich schwerer, ihren Kunden künftig noch eine Null Prozent-Finanzierung anzubieten. Ein aktuelles BGH-Grundsatzurteil könnte hier ein neues Spielfeld für Verbraucherschutzanwälte und Massenklagen eröffnen.

Deutlich unattraktivere Konditionen

Autor: Rechtsanwalt Nils Andersson-Lindström
(Foto: Schultze & Braun)

Was Verbraucher freuen wird, hat für Banken enorme Auswirkungen. Für sie wird die Null Prozent-Finanzierung zum Geschäft mit null Prozent Marge. Verschärfend kommt hinzu, dass die BGH-Entscheidung aller Wahrscheinlichkeit nach auch Verträge mit einer Mischfinanzierung betrifft, bei denen die Banken zum Beispiel einen Abschlag vom Händler und zusätzlich zwei Prozent Zinsen vom Kunden verlangen. Da das Urteil auch laufende Verträge betrifft, könnten Kunden zudem auf dieser Basis klagen oder ihre Raten kürzen – ein neues Spielfeld für Verbraucherschutzanwälte und voraussichtlich eine Klagewelle gegen Banken.

Fakt ist: Banken werden die Null Prozent-Finanzierung künftig nicht mehr anbieten – zumindest nicht in der bestehenden Form. Händler aus der ITK-Branche laufen also Gefahr, dass sie bei ihren Kunden nicht mehr mit diesem beliebten Verkaufsargument werben können. Ihnen dürften Umsatzeinbußen drohen, wenn die Finanzierungskonditionen für den neuen Flachbildschirm oder den neuen Laptop deutlich unattraktiver würden. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Banken, die die Null Prozent-Finanzierung bislang angeboten haben, bereits an Alternativen arbeiten. Händler aus der ITK-Branche sollten daher so schnell wie möglich das Gespräch mit ihren finanzierenden Banken suchen. Sie können dann eventuell bei der Gestaltung dieser Alternativen mitwirken und ihre Waren auch künftig mit einer Finanzierung ohne Zinsen an den Mann bringen.