Angriff auf die Deutsche Post:
Telekom startet De-Mail am 31. August

von Karl-Peter Lenhard (kplenhard@weka-fachmedien.de)

23.08.2012

Die Post hat im Kampf um die gesicherte elektronische Kommunikation starke Konkurrenz bekommen. Pünktlich zur Funkausstellung in Berlin hat die Deutsche Telekom und United Internet den Startschuss für De-Mail gegeben. Ab dem 31. August soll der sichere E- Mail-Dienst Privatkunden und Firmen zur Verfügung stehen.

Die Telekom startet De-Mail am 31. August. © Telekom

Die deutsche Telekom und United Internet haben den Startschuss für De-Mail bekannt gegeben. Ab dem 31. August können Privatkunden und Firmen den sicheren Email-Dienst nutzen. Damit greifen die Unternehmen kurz vor IFA die Deutsche Post an. Mit den Konzernen Allianz und Targobank sind schon jetzt zwei große Partner an Bord. Zusätzlich sollen bereits mehr als eine Million Menschen bei den Anbietern eine De-Mail-Adresse reserviert haben und eine fünfstellige Zahl an Unternehmen den neuen sicheren Email-Dienst einführen wollen. Die Telekom und United Internet, wozu unter anderem 1 und 1, sowie gmx.de und web.de zählen, besitzen rund 60 % aller deutschen E-Mail-Zugänge.

Schlag ins Gesicht für die Deutsche Post

Telekom-Chef René Obermann: »De-Mail ist komfortabel, sicher und verbindlich.« © Telekom

Für die deutsche Post und ihren E-Postbrief ist das ein Schlag ins Gesicht. Vor zwei Jahren startete der Konzern seinen digitalen Service und liegt bis heute weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar hatten sich zum Start des E-Postbriefs im Juli 2010 über eine Million Menschen angemeldet, aktiv nutzen würden ihn aber nur rund 100.000 Menschen. In einem Interview der Financial Times Deutschland Anfang dieses Jahres verwies Jürgen Geerdes, Briefvorstand der Deutschen Post, auf eine Million aktive Nutzer, darunter 100 Großunternehmen und 4.000 Mittelständler. Dennoch könne es bis zu sechs Jahre dauern, ehe der E-Postbrief sich am Markt etablieren werde. Ein weiteres Problem des Email-Dienst ist auch seine Nutzung. So setzen die Kunden verstärkt auf die Hybridlösung, einen Brief online zu versenden und in gedruckter Form austragen zu lassen, als den rein digitalen Weg zu wählen.

Die Telekom ist sich sicher, dass der handelsübliche Brief ausgedient hat und das digitale Zeitalter ebenfalls nicht vor der Briefkommunikation halt macht. Auch Telekom-Chef René Obermann setzt hohe Erwartungen in die De-Mail: »Mit De-Mail wird die Gigabit-Gesellschaft wieder ein Stück mehr Realität, denn De-Mail kombiniert die Vorteile des Internets mit denen schriftlicher Kommunikation: De-Mail ist komfortabel, sicher und verbindlich.«

Der Markt rund um die gesicherte elektronische Kommunikation hat großes Potential. So soll die De-Mail laut Telekom bis 2018 29 Prozent der jährlich versendeten 17,5 Milliarden Briefe und 39 Prozent der jährlich 5,4 Milliarden Faxe ersetzen. Auch Jürgen Lieberknecht, Vorstand Marketing & Produktmanagement der Targobank, sieht dem neuen E-Mail-Dienst positiv entgegen: » Die einfache Mail ist für sicherheitsrelevante Dokumente zu unsicher und konnte bisher nur per Briefpost versendet werden. De-Mail schließt nun diese Lücke.«

E-Postbrief schon jetzt am Ende?

Dank dem gleichnamigen Gesetz ist die Telekom mit De-Mail auf der sicheren Seite © Telekom

Als sicher gilt auch der E-Postbrief, der dennoch nicht die gesetzlichen Anforderungen der deutschen Behörden erfüllt. So hat das Oberlandesgericht Köln entschieden, dass der »E-Postbrief nicht die Anforderungen des Signaturgesetzes erfülle und somit bestimmte Formerfordernisse wie Schriftform nicht eingehalten werden könnten.« Dagegen basiert das Konkurrenzprodukt auf dem De-Mail-Gesetz, dass auf Initiative des Bundesministeriums des Innern (BMI) gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden entwickelt wurde. Dass eine Zeitspanne von sechs Jahren zu lang sein könnte, hat jetzt auch die Deutsche Post erkannt. Zwar will der Konzern weiterhin an seinem E-Postbrief festhalten, hat aber schon auf der Cebit erklärt, bis Ende des Jahres einen De-Mail-Standard vorzulegen.

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