Urlaubs-Arbeit für viele Deutsche Normalität:
Gehe in deinem Urlaub auf, nicht unter!

von Lars Bube (lbube@weka-fachmedien.de)

11.08.2011

Eigentlich sollten sich Angestellte in ihrer Urlaubszeit die dringend benötigte Ruhe gönnen, um danach wieder mit voller Kraft angreifen zu können. Doch wie eine aktuelle Emnid-Umfrage zeigt, bearbeitet rund ein Viertel aller Deutschen auch im Urlaub Firmen-Emails und ähnliches. Und riskiert damit die eigene, wie auch die Unternehmens-Gesundheit.

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Ohne Laptop an den Strand? Das geht! (Bild: Digitalpress, Fotolia)

»Ich bin dann mal weg« - nicht erst seit Hape Kerkelings Bestseller verabschieden sich jedes Jahr Millionen deutsche so von ihren Kollegen in den Urlaub. Doch spätestens seit mobile Arbeitsgeräte wie Smartphones oder Netbooks immer kleiner und dennoch leistungsfähiger werden, schaffen es immer weniger Angestellte diesem Vorsatz auch tatsächlich treu zu bleiben, und den Urlaub dazu zu nutzen, wozu er eigentlich dienen sollte: Sich mit genügend physischem und psychischem Abstand vom Arbeitsalltag zu erholen und den sprichwörtlichen Akku so wieder aufzutanken. Optimal wäre es dazu, etwas völlig anderes zu machen als sonst und sich möglichst überhaupt nicht mit der arbeit und den dortigen Sorgen und Nöten zu befassen.

Nach einer aktuellen Umfrage von Emnid im Auftrag von Symantec jedoch, schaffen es immer weniger Menschen, sich wirklich für diese Zeit aus dem Betrieb auszukoppeln. So ist es etwa für 23 Prozent der Deutschen völlig normal, rein aus beruflichen Gründen ihr Laptop oder Smartphone mit in den Urlaub zu nehmen, damit sie auch dort jederzeit per Email und Telefon erreichbar sind. Noch mehr Urlauber schauen zumindest gelegentlich einmal nach dem Rechten im Arbeits-Postfach. Besonders betroffen sind laut der Umfrage von diesem Problem abzuschalten die Männer. Fast ein Drittel (29 Prozent) von ihnen bearbeitet auch in ihren Ferien ihr Firmen-E-Mail-Konto, während dies bei den Frauen mit 17 Prozent deutlich seltener ein fester Bestandteil des Urlaubs ist.

Noch wichtiger ist der ständige Kontakt zum Netz jedoch den Jugendlichen und »Digital Natives« der Generation Facebook. Unter den 14- bis 29-jährigen ist es sogar für 40 Prozentwichtig, auch im Urlaub stets den Überblick und Anschluss an Emails und Social Networks nicht zu verlieren. Die noch mit dem Postbrief aufgewachsene Gruppe der 50- bis 59-Jährigen hält hingegen am wenigsten davon, auch im Urlaub noch elektronische Post zu checken und verschicken. Nur 15 Prozent von Ihnen bearbeiten in den Ferien überhaupt berufliche Mails und Anfragen.

»Faule« Bayern sind die gesünderen Arbeitnehmer

Für mehr als die Hälfte der Deutschen geht es im Urlaub offenbar nicht mehr ohne elektronische Kommunikation.

Zuletzt stellt die Studie auch interessante regionale unterschiede beim Arbeitsverhalten im Urlaub fest. Während satte 41 Prozent der Hauptstädter auch im Urlaub jederzeit per Mail und Telefon für ihren Chef und die Kollegen in Berlin erreichbar sind, pochen die Bayern am deutlichsten auf den nötigen Abstand: Lediglich 19 Prozent wollen auch am strand das Laptop oder Smartphone in der Leder(bade)hose mit sich tragen, um dort bei Bedarf für die Firma erreichbar zu sein.

Für die Arbeitgeber sind diese Zahlen allerdings, auch wenn sie auf den ersten Blick einen enormen Einsatzwillen der Arbeiter zeigen, alles andere als positiv - zumindest, wenn sie langfristig denken. Denn einerseits werden durch den stetigen Kontakt die wenigen Erholungsphasen, die beim heutigen Stressaufkommen und der extrem hohem Kommunikationsdichte umso wichtiger sind, ad absurdum geführt. Die dauerhaft vernetzten Arbeiter verpassen dadurch die wichtigste Gelegenheit, Distanz zum Berufsalltag zu schaffen und sich physisch wie mental zu erholen. Auch einer der Gründe, warum Burnout auf bestem Wege ist, eine deutsche Volkskrankheit zu werden.

Andererseits birgt der oft auch eigenmächtige Fern-Kontakt zur Arbeit oft auch erhebliche Gefahren für die IT des Unternehmens. Fernzugriffe, unverschlüsselte Kommunikation und Daten auf geklauten Smartphones und Laptops, etc. können genauso schnell erhebliche Kosten verursachen, wie ein ausgebrannter Mitarbeiter. Laut der Studie »2010 Annual Study: Cost of a Data Breach« von Symantec kostete jede Datenpanne deutscher Unternehmen im vergangenen Jahr durchschnitt 3,4 Millionen Euro für die Aufklärung, Sicherheitsverbesserung und Eindämmung möglicher Folgen und Risiken. Damit wird aus ein wenig gut gemeintem Einsatzwillen eines Mitarbeiters im schlimmsten Fall schnell ein riesengroßer Schaden für die Firma, oder eben für den Mitarbeiter selbst.

Ohne Reset läuft das System Mensch nicht rund

Michael Hoos hält Smartphones für eine verführerische Gefahr im Urlaub weiter zu arbeiten.

Aufgrund dieser Risiken müssen auch Führungskräfte mehr Verantwortung übernehmen und ihren Mitarbeitern (und im Zweifelsfalle auch sich selbst) klar darlegen, dass Freizeit nicht umsonst mit »Frei« beginnt, und welche Risiken auf beiden drohen, wenn dem nicht entsprochen wird. »Am sinnvollsten ist es, über eine ordentliche Vertretungslösung die Arbeit im Büro lassen zu können und sich voll auf den Urlaub zu konzentrieren. Ohne den jährlichen Reset läuft auch das System Mensch nicht rund«, rät Michael Hoos, Director Technology Sales Organisation EMEA Central bei Symantec.

Ähnlich wie viele Arbeits- und Organisationspsychologen hält Hoos besonders Smartphones in diesem Zusammenhang für ein doppelt gefährliches Spielzeug für Angestellte und Betriebe. »Sich selbst für unersetzbar zu halten, wird von modernen Smartphones unterstützt. Mit ihnen können Sie immer und überall auf ihre Firmendaten zugreifen. Gerade im Urlaub und in emotionalen Ausnahmesituationen sollte man aufpassen, dass die Geräte mit Passworten geschützt und die lokalen Dokumente verschlüsselt sind. Wie schnell vergisst man das Smartphone unter der Sonnenliege – oder auf dem Weg dorthin.« Wie häufig das tatsächlich passiert, zeigen Statistiken der Flughäfen: so wurden beispielsweise alleine in Hamburg im Juni dieses Jahres jeweils über 40 liegen gelassene Mobiltelefone und Laptops im Fundbüro des Flughafens abgegeben.

Olaf Siemens, Geschäftsführer der TÜV Rheinland i-sec, fügt dem hinzu: »Informationssicherheit ist für Unternehmen ein äußerst wichtiges Gut, dessen müssen sich Mitarbeiter stets bewusst sein und auch so handeln. Vor allem im Urlaub, wenn sie Privates mit Geschäftlichem vermischen und hierdurch besondere Sicherheitsrisiken entstehen. Daher der Rat: Fragen Sie sich vor dem Reiseantritt lieber zwei Mal, ob Sie vielleicht nicht doch auf die Arbeit im Urlaub verzichten können. Am Ende dankt es Ihnen nicht nur der Security-Verantwortliche Ihrer Firma, sondern vor allem auch Ihre Familie.«

Datenverkehr im Urlaub - bitte nur mit ausreichendem Schutz

Sollte es jedoch ausnahmsweise einmal unabdingbar sein, auch unterwegs erreichbar zu sein, müssen wenigstens einige grundlegende Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden, wie sie auch die Symantec-Experten empfehlen, um wenigsten die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlustes signifikant zu verringern:

  • Vertrauliche Informationen identifizieren, klassifizieren und ihr Sicherheitsrisiko bewerten
  • Mitarbeitern den Sinn und Inhalt interner Sicherheitsregeln und -prozesse regelmäßig erklären und sie zur Einhaltung verpflichten
  • Implementieren von Technologien zu Data Loss Prevention, um die Sicherheitsregeln für wichtige Daten durchzusetzen
  • Laptops und andere mobile Geräte vorab verschlüsseln, um die Folgen eines Geräteverlusts einzudämmen
  • Datenschutz als wichtiges Element in jeden Geschäftsablauf integrieren

Am besten ist es jedoch meist für beide Seiten schon vor dem Urlaub zu klären, ob die Verfügbarkeit wirklich unbedingt notwendig ist. Dann lassen sich eventuelle Hindernisse für eine echte Frei-Zeit meist auch noch aus dem Weg räumen. Nicht umsonst mahnt uns der französische Schauspieler und Regisseur Jacques Tati: »Gehe in deiner Arbeit auf, nicht unter...« - dem füge ich hinzu: gehe lieber eine Runde Schwimmen

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