Security-Trends:
Retarus: Enormer Anstieg von Cyberattacken

von Lars Bube (lars.bube@crn.de), Bernd Reder

20.11.2009

IT-Security-Experten haben in den letzten Wochen einen dramatischen anstieg von Cyber-Attacken registriert, bei denen die Hintermänner zunehmend auf verseuchte E-Mails setzen: So hat sich alleine zwischen Juli und Oktober der Anteil der mit Viren infizierten E-Mails nahezu versechsfacht.

Cyberkriminelle werden mit Andauern der Krise immer aktiver und ersinnen stetig neue Viren und Strategien, um diese noch effektiver zu verbreiten. Dabei gerät derzeit insbesondere die Email immer mehr zu einem Transportmittel für gefährlichen Code, warnen jetzt die IT-Security-Experten. Zwar sind laut aktuellen Zahlen aus den Rechenzentren von Email-Hoster Retarus [1] momentan lediglich 7,56 Promille der Spam-Mails mit Malware und Viren verseucht, allerdings steigt dieser Wert derzeit dramatisch an.

Fleißige Cybergangster: Laut Retarus steigt die Zahl der Virenattacken per E-Mail massiv an.

Im Vergleich zum Juli, in dem noch 1,29 Promille der Massenmails ernsthaft »verseucht« waren, bedeutet das nahezu einer Versechsfachung dieser gefährlichen Spam-Variante. Bedenkt man zudem, dass in einigen Branchen nur noch weniger als 10 Prozent der Mails »echt« sind, wird das enorme Gefahrenpotential dieser Entwicklung deutlich.

Aus der meist nur ärgerlichen, heute bereits zum Alltag gehörenden, Spam-Flut erwächst damit eine ernsthafte Gefahr für die Sicherheit von PCs und ganzen IT-Systemen: Über 83 Prozent der von August bis Oktober registrierten Viren waren Trojaner, die versuchen, den infizierten Rechner auszuspionieren und oft auch Fremdzugriffe erlauben.

Phishing nimmt dramatische Ausmaße an

Hinzu kommt, dass in diesem Zeitraum jede siebte Mail als Phishing-Versuch identifiziert wurde, mit dem persönliche Informationen des Empfängers abgegriffen werden sollten. Dabei ist zu bedenken, dass der Großteil dieser Nachrichten bereits in den vorgelagerten Spam-Filtern als unerwünschte Werbesendung abgewiesen wird.

Drei Prozent der identifizierten Nachrichten wurden außerdem als Wurm-Angriffe eingeordnet. Diese Entwicklung ist insbesondere für Unternehmen gefährlich, da hier eine einzige geöffnete Viren-Mail ausreichen kann, um das gesamte Unternehmensnetz zu verseuchen oder auszuhorchen.

Dieser Schwenk hin zur E-Mail deutet nach Ansicht der Retarus-Experten auf einen grundlegenden Wandel in der Strategie der Cybergangster hin, auf die sich auch die Anwender einstellen sollten. »Wir beobachten eine zunehmende Vermischung von Viren und Spam. Dies betrifft in erster Linie die als Phishing Mails identifizierten Attacken, doch auch andere Viren scheinen dieser neuen Strategie zu folgen«, sagt Oliver Pannenbäcker, Vice President Managed Services bei Retarus.

User auf bösartige Web-Seiten umlenken

Die eigentliche Gefahr verbirgt sich nach Ansicht von Pannenbäcker meistens auch nicht in der E-Mail, sondern auf einer externen Internet-Seite, auf die aus der Spam-Mail direkt verlinkt wird. Da Viren-Scanner, die sich auf das Analysieren von E-Mails beschränken, hier naturgemäß nicht weiterhelfen können, gewinnt ein wirksamer Schutz vor Spam-Mails zusätzlich an Bedeutung: Vermeintlich harmlose Mails liegen wie eine Zeitbombe im digitalen Posteingang und warten darauf, dass ein argloser Anwender die verseuchte Internet-Seite aufruft und sich dort seinen Schadcode quasi persönlich abholt.

Gut funktionierende Spam-Filter erkennen laut Retarus die URLs gefährlicher Internet Seiten und sortieren Nachrichten mit zweifelhaften Links aus.

Darüber hinaus verzeichnen die Security-Anbieter eine stetig steigende Geschwindigkeit bei der Entwicklung neuer Viren. Etwa 2000 neue Schädlinge und Varianten tauchen jeden Tag im Netz auf. Damit sind auch die Antiviren-Anbieter gefordert, immer schneller Updates und neue Malware-Signaturen in ihre Produkte einzupflegen.

Mehrere Virenscanner einsetzen

Zumindest in Umgebungen mit kritischen Daten wird es daher trotz des hohen Aufwands sogar ratsam, mehrere Scanner parallel einzusetzen, wie Pannenbäcker empfiehlt: »Mitunter kommt es vor, dass ein Scanner eine Bedrohung erkennt, während ein anderer Scanner denselben Schadcode unbeanstandet durchlaufen lässt.«

Gerade Unternehmen sollten daher unterschiedliche Technologien zur Viren-Erkennung parallel betreiben. Wenn der Aufwand für die eigene IT-Abteilung zu groß ist, bieten sich hier als einfachere Alternative Managed-E-Mail-Provider an, die diesen Mehrfachschutz bereits umgesetzt haben.

Seit Juli 2009 ist in den Rechenzentren des E-Mai-Sicherheitsspezialisten Retarus eine Versechsfachung des Viren-Aufkommens zu verzeichnen. (Quelle: Retarus)

[1] http://www.retarus.de/