Steuerdaten auf dem Flohmarkt:
Neues Rekordjahr bei Datenpannen droht
Die Zahl der Datenpannen in Deutschland ist auch im ersten Halbjahr 2010 wieder deutlich angestiegen. Neben dem spektakulären StudiVZ-Datenskandal tauchten etwa Festplatten des Bayerischen Landesamts für Steuern auf einem Flohmarkt auf und sensible Patientenakten landeten ungeschreddert in einer Mülltonne.
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Trotz wachsender Sensibilität bei Unternehmen, Behörden und Verbrauchern im Zuge vielfacher Berichterstattung über Datenskandale in den Medien, klettert die Zahl der Daten-Unfälle unaufhörlich weiter. So haben sich nach den zahlen des Projektes Datenschutz [1] im zweiten Quartal 2010 fast doppelt so viele Vorfälle ereignet, wie noch im Vergleichszeitraum 2009. Auf das gesamte erste Halbjahr 2010 gerechnet wurden 55 Prozent mehr Vorfälle registriert, als im ersten Halbjahr 2009. Aufgezeichnet werden von der Initiative seit Anfang 2008 alle bekannt gewordene Datenpannen, Lecks, Missbrauchsfälle oder Eingriffe in die informationelle Selbstbestimmung bei Unternehmen und Einrichtungen in Deutschland.
Dabei gab es auch im zweiten Quartal 2010 wieder einige besonders spektakuläre wie unverständliche Datenpannen neben dem größten Skandal, als bei SchülerVZ 1,6 Millionen Datensätze abgefischt wurden: Beispielsweise als auf einem Flohmarkt alte Festplatten des Bayerischen Landesamts für Steuern angeboten wurden, auf denen sich noch Datenreste wiederherstellen ließen. Nicht weniger fahrlässig handelte ein Arzt in München, der seine Patientenakten entsorgen wollte und sie dazu einfach in die Gemeinschaftsmülltonne des Bürogebäudes steckte. Ähnlich sorglos verfuhr das Jugendamt Wetzlar mit Akten, die Details über familiäre Konflikte und Therapievorschläge für verhaltensauffällige Kinder enthielten; sie wurden anderen Kindern als Malpapier ausgegeben.
»Wir registrieren weiterhin einen deutlichen Anstieg der Vorfälle«, meint Alain Blaes, Geschäftsführer von PR-COM und Initiator von Projekt Datenschutz. »Nach wie vor sind weder Unternehmen noch Behörden für die informationelle Selbstbestimmung ausreichend sensibilisiert. Da der Schwerpunkt der Datenpannen erfahrungsgemäß in der zweiten Jahreshälfte liegt, sollten wir uns auf einen heißen Pannen-Herbst einstellen.«
[1] http://www.projekt-datenschutz.de/
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