Gastkommentar: Datensicherheit von Webapplikationen:
Web 2.0: Command Your Data!

von Lars Bube (lars.bube@crn.de), Rafael Laguna*

16.06.2010

Oder: Wie bereitwillig und leichtfertig wir mit der neuen bunten Web 2.0-Welt die Kontrolle über unser digitales Leben aus der Hand geben. Software-Experte und Open-Xchange-CEO Rafael Laguna kommentiert den grassierenden Datenleichtsinn in Sozialen Netzwerken.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)

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Software-Experte und Open-Xchange-CEO Rafael Laguna warnt vor allzu gutgläubigen Datenopfern an das Web 2.0.

Erst ging mit Wikipedia unser Wissen online, dann folgte mit XING, LinkedIn und nun Facebook unser soziales Leben. Amazon hat uns vorgemacht, wie einfach Einkaufen funktionieren kann und Google führt uns mit seinen Suchergebnissen immer wieder schnell an unser Ziel.

Wir haben gelernt, unseren Helfern aus dem Internet zu vertrauen. Und doch laufen wir Gefahr, mit der Verlagerung von Applikationen in die »Cloud« die Kontrolle über unsere eigenen Daten zu verlieren - und uns in neue Abhängigkeiten zu begeben.

Wir alle nutzen sie, die tollen neuen sozialen Netzwerke und zumeist kostenlosen Webservices. Weil sie eben so nützlich und praktisch sind. Ein berufliches Leben ohne XING und LinkedIn – unvorstellbar. Freundschaften ohne Facebook – das war einmal. Wenn wir uns bei einem neuen Dienst anmelden, dann wollen wir ihn auch möglichst sofort nutzen – und verzichten gerne auf das intensive Studium der AGBs.

Wozu auch? Schließlich haben Millionen bereits den gleichen Regularien zugestimmt – und der eine oder andere wird sie schon kritisch studiert haben.

AGBs: Wer lesen kann ist klar im Vorteil

Kaum ein Nutzer von Social Networks hat wirklich im Blick, für wen und was er seine Daten freigibt. (Bild: Izzzy, Fotolia.com)

Dabei findet sich in den AGBs unserer Lieblingsdienste durchaus Bemerkenswertes. Dass wir Facebook die Erlaubnis erteilen, »vorbehaltlich der von dir festgelegten Einschränkungen, deinen Namen und dein Profilbild« [1 [1]] zu verwenden, hätten wir uns ja denken können – schließlich wollen die ja auch Geld mit Werbung verdienen.

Wesentlich bedenklicher ist da schon Folgendes: »LinkedIn behält sich das Recht vor, jeden Inhalt, der als Teil Ihres Benutzerkontos verfügbar ist, mit oder ohne Ankündigung zurückzunehmen, zu entfernen oder zu löschen. Um mögliche Zweifel zu vermeiden, ist LinkedIn nicht verpflichtet, eine Kopie eines Inhaltes, welchen sie oder andere Nutzer bei der Nutzung der Dienste zur Verfügung stellten, zu speichern, aufzubewahren oder Ihnen zukommen zu lassen« [2 [2]]. Das hat gesessen!

Und auch Google nimmt sich die Freiheit, die »Inhalte seiner Kunden zu prüfen, zu ändern oder zu entfernen« [3 [3]]. Da fällt es schon fast nicht mehr ins Gewicht, dass Google »nach eigenem Ermessen Ihren Firmennamen, Warenzeichen, Dienstleistungsmarken, Logos, Domainnamen und andere charakteristische Marken in Präsentationen, Marketingmaterial, Kundenlisten, Finanzberichten und Online vermarkten« [3 [3]] darf.

Panikmache oder berechtigte Sorge?

Wie man es nimmt. Solange die Webdienste so funktionieren, wie sie funktionieren sollen, ist scheinbar alles in bester Ordnung. Wenn allerdings – wie vor wenigen Wochen tatsächlich geschehen – unserem CTO ohne Vorwarnung der LinkedIn-Account mit seinem kompletten Netzwerk gesperrt wurde, dann zeigt das unsere Abhängigkeit und Ohnmacht.

Wenn einem auf diese Weise private Daten abhanden kommen, ist das schmerzlich. Aber es ist schlichtweg unverantwortlich, sich bei geschäftskritischen Daten und Dokumenten allein auf Google Mail und Google Docs zu verlassen.

Der Schritt zurück zur digitalen Selbstbestimmung kann meiner Meinung nach nur über die autonome Datenhaltung führen. Wir müssen jederzeit die Möglichkeit haben, die Kontaktdaten, E-Mails und Dokumente, die für uns wichtig sind, von der entsprechenden Webapplikation auf einen USB-Stick – oder besser noch eine DVD oder ein Backup-Medium - zu speichern und unabhängig vom entsprechenden Webservice zu nutzen. Dies entspricht nicht zuletzt auch den Anforderungen des Gesetzgebers an die Revisionssicherheit der elektronischen Daten [4 [5]], wie sie für jedes Unternehmen vorgeschrieben sind.

Ein weiteres – heute von Vielen noch nicht gesehenes Problem – ist die mangelnde Archivierbarkeit von Webservices wie Twitter und Skype. Denn wer garantiert uns heute, dass wir in fünf Jahren noch Zugang zu unseren Tweets und Chats haben?

Fazit

Webapplikationen sind hilfreich und machen unser Leben schöner. Hinzu kommt, dass sich die verschiedenen Webapplikationen in den kommenden Jahren zunehmend miteinander verzahnen lassen werden – und der daraus resultierende »Webdesktop« zu einer sinnvollen Alternative zum Desktop werden wird, wie ihn die Unternehmen heute nutzen.

Nur sollten wir aufpassen, dass wir mit unseren Daten auch wieder von einem Dienst wegkommen, wenn wir wollen. Und wir sollten natürlich stets ein lesbares Backup aller Webapplikationen im Schrank haben. [5 [6]]

*Rafael Laguna ist CEO von Open-Xchange [7].

[1] http://www.facebook.com/terms.php?locale=DE
[2] http://www.linkedin.com/static?key=user_agreement
[3] http://code.google.com/intl/de-DE/appengine/terms.html
[4] http://code.google.com/intl/de-DE/appengine/terms.html
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Revisionssicherheit
[6] http://microformats.org/
[7] http://www.open-xchange.com/de/

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