Facebook gibt zu: Korrekturen notwendig:
Schutz der Privatsphäre: Facebook-Änderungen unzureichend

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Stefanie Hoffmann

01.06.2010

Die Änderungen in den Policies von Facebook zum Schutz der Privatsphäre gehen für Kritiker in die richtige Richtung. Sie reichen aber definitiv nicht weit genug, um die Daten der Nutzer zu schützen und das Missbehagen der Datenschützer zu beenden.

In der letzten Zeit ist Facebook [1] unter massiver Kritik gestanden. Als Antwort auf diesen Proteststurm hat Mark Zuckerberg, CEO bei Facebook, angekündigt: Das Unternehmen werde verschiedene umfassende Änderungen beim Datenschutz vornehmen. Diese sollten in verschiedenen Phasen in den nächsten Wochen installiert werden.

Facebook reagiert auf die Kritik beim Datenschutz. Für Kritiker kann dies aber nur der erste Schritt sein. (Quelle: Fotolia)

»Die wichtigste Anforderung an uns ist gewesen, dass es einfacher werden muss, wie Anwender die Preisgabe ihrer Daten steuern«, so Zuckerberg in einem Blog-Eintrag auf Facebook. »Wir haben immer viele verschiedene Kontrollen angeboten. Wenn der Nutzer es aber als zu schwierig erlebt, sie zu verwenden, wird er kaum das Gefühl haben, die Kontrolle über die Daten zu haben. Wir stimmen zu, dass hier eine Verbesserung notwendig ist.«

Eine größten Änderungen, die Facebook vornehmen will, sind Reformen bei den sehr kontrovers gesehenen Verbindungseinstellungen. Sie stellen Profildaten des Nutzers wie Ausbildung, Arbeitsverhältnis oder Freundschaften Suchmaschinen und anderen Applikationen von Drittherstellern zur Verfügung.

Die Änderungen sollen mehr Entscheidungsmöglichkeiten geben, wie Nutzer anderen Zugriff auf ihre Daten geben. Weiter soll es einfacher werden, die Weitergabe von persönlichen Informationen an alle anderen auf Facebook und Web-Sites anderer Anbieter komplett zu unterbinden (Opt-out).

Zuckerberg sagt auch, dass Facebook die Verwirrung beende wolle, die bei Links herrsche, die Profil-Informationen wie Aktivitäten oder Interessen an andere Websites weitergeben. Es geht dabei um Facebooks heftig kritisiertes Personalisierung-Sofort-Funktion (»Instant Personalization«), gestartet im April.

Facebook stellt nun eine neue Basisseite für die Einstellungen zum Datenschutz bereit. Anwender können dort ihre eigenen Grundeinstellungen für die Privatsphäre definieren. Dies schließt Optionen wie »Nur Freunde«, »Freunde von Freunden«, »Jeder« sowie eine Mischung dieser Einstellungen mit ein. Diese Basiseinstellungen werden dann auf alle Datenschutz-Konfigurationsmöglichkeiten angewendet.

Änderungen können nur ein erster Schritt sein

Auch wenn Facebook sich scheinbar in Sachen Datenschutz bewegt. Viele Datentschutz-Gruppierungen schätzen die Änderungen bei Facebook als nicht weitreichend genug ein. So sagt die Electronic Frontier Foundation (EFF), dass die Korrekturen beim Datenschutz ein guter erster Schritt seien. »Es ist aber mehr notwendig«, um den Datenschutz angemessen zu adressieren.

»Alle neuen Einstellungen sind positive Schritte, die den Nutzern mehr Kontrolle über den Schutz ihrer Daten geben«, so Kevin Bankston, Senior-Rechtsanwalt bei EFF, in einem Blogeintrag. »Sie sind eine direkte Antwort auf mehrere Kritikpunkte der EFF und korrigieren einige der schlimmsten Fehlentwicklungen bei Facebooks Datenschutz.«

»Trotzdem gibt es noch immer einige fundamentale Bedenken, über die Menge an Informationen auf die Facebook-Applikationen von Dritt-Herstellern Zugriff haben, so Bankston. »Deshalb hoffen wir, dass dies nur der erste und nicht der letzte Schritt von Facebook in Richtung von mehr Datenschutz.«

So erhebt die EFF weiter die Forderung, dass es bei der Personalisierung-Sofort-Möglichkeit eine Auswahl- (Opt-in) und nicht eine Abwahl-Funktion (Opt-out) gibt. Zudem sind Daten, über sich der Nutzer direkt identifizieren lässt, wie Name, Freundeslisten oder Bilder zum Profil weiter öffentliche Informationen, die frei verfügbar im Internet sind.

Kritiker: Änderungen vielleicht doch nur Kosmetik

Derweil haben andere Gruppierungen Facebook für ihre Mentalität kritisiert, nicht mehr Änderungen vorzunehmen, als wie es gerade genug erscheint. Die Electronic Privacy Information Center (EPIC) hat zusammen mit einer Reihe anderer Datenschutz-Rechte-Gruppierungen zwei Beschwerden bei der FTC (Federal-Trade-Commission) gegen Facebook in den vergangenen sechs Monaten eingereicht. Darin werfen sie Facebook vor, dass ihr Vorgehen »unfair und betrügerisch« sei. Gleichzeitig fordern sie eine Untersuchung der FTC.

»Die Änderungen übergehen die Bedürfnisse der Anwender, verringern deren Datenschutz und widersprechen Facebooks eigenen Darstellungen«, so die EIPC in ihrer Beschwerde.

Zwar schätzt die EPIC die geänderten Datenschutz-Regeln bei Facebook als einen Schritt in die richtige Richtung ein. Sie deuten aber an, dass die Verbesserungen nur kosmetischer Natur sein könnten. Sie seien nur eine Taktik, um die genauere Prüfung durch die FTC weiter zu verzögern.

[1] http://www.facebook.com/

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